Vier Fragen an Apulien-Reiseveranstalter

 

Keine Lust auf Stress oder Alleinreisen? Langsamkeit, Begegnung, gutes Essen stehen im Mittelpunkt dieser kleinen Reiseveranstalter.

 


 

Diese 4 Fragen habe ich an zehn kleinere Veranstalter von Reisen nach Apulien und/oder mit Sitz in Apulien verschickt.

 

1. Was macht Apulien in Ihren Augen so besonders oder sogar einzigartig?

2. Was ist Ihre Reisephilosophie? Was soll der Kunde von der Reise mitnehmen?

3. Wie kann der Tourismus Apulien (positiv) verändern? Gibt es auch Gefahren?

4. Was ist Ihr Lieblingsort in Apulien (gerne mit Bild)?

 

Vielen Dank an Trullo Cicerone, slowlento, Apulia slowtravel und sapio für die Teilnahme und ihre inspiriernden Antworten. (Alle Leser möchte ich darauf hinweisen, dass ich unabhängig arbeite und von niemandem Geld oder Rabatte kriege. Falls ihr selber Vorschäge habt oder gute Erfahrungen mit einem bestimmten Veranstalter gemacht habt,  könnt ihr mich gerne anschreiben.)

 

1. Trullo Cicerone

Was macht Apulien in Ihren Augen so besonders oder sogar einzigartig?

 

Apulien ist mehr als „nur" Italien (Das Wort „nur“ habe ich ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt - denn wie könnte man ernsthaft zu Italien „nur“ sagen?), denn es ist ein Schmelztiegel der mediterranen Kultur. Mitten im Mittelmeer gelegen, mit der Adria auf der einen und dem ionischen Meer auf der anderen Seite, wurde es im Laufe der Geschichte von den meisten einflussreichen Mächten des Mittelmeerraums und Europas erobert und regiert, und alle haben etwas von ihrer Tradition, Sprache, Architektur oder Lebensart dagelassen: Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen, Spanier, Bourbonen…

Diesen Reichtum und diese Vielfalt merkt man der apulischen Kultur bis heute an. Traditionen werden gehegt und gepflegt, aber dabei dennoch behutsam modernisiert, so dass Apulien zwar einen Blick in die Vergangenheit erlaubt, aber nicht in dieser stehen geblieben ist. Gleichzeitig ist Apulien extrem vielfältig. Vom Gargano bis in den Salento, von der Küste bis zur Murgiaebene, ändern sich Landschaft und Architektur fortwährend, so dass es nie langweilig wird.

Ganz besonders ist auch die apulische Küche zu erwähnen. Was soll ich sagen? Ich würde sie als eine der besten Regionalküchen Italiens bezeichnen. Weil die Menschen in Apulien sehr großen Wert auf gutes, lokales Essen legen, ist es hier so gut wie unmöglich, schlecht zu essen.

 

Was ist Ihre Reisephilosophie? Was soll der Kunde von der Reise mitnehmen?

 

Reisen bedeutet Begegnung: Begegnung vor allem mit Menschen, aber auch mit Geschichte und Geschichten, ebenso wie mit regionalen Produkten. Reisende, die neugierig sind und in einer ruhigen und gelassenen Umgebung Neues erfahren wollen, sind bei uns richtig aufgehoben.

 

Wie kann der Tourismus Apulien (positiv) verändern? Gibt es auch Gefahren?

 

Der Tourismus bringt Arbeit in eine lange Zeit vernachlässigte Region Italiens. Bisher hat er zu einer Aufwertung von kulturellen Stätten und Bräuchen geführt. Es besteht immer die Gefahr, dass zu viel Tourismus eine Region kommerzialisiert; das ist aber in Apulien bisher nur in ganz wenigen touristischen Zentren geschehen. Weil die Region erst in den letzten Jahren vom internationalen Tourismus entdeckt wurde, wurden viele Fehler, die andernorts begangen wurden, hier nicht gemacht. 

Ein wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit. Uns ist es wichtig, einen sanften, ökologischen Tourismus anzubieten. Allerdings klaffen hier noch große Lücken in der Infrastruktur, die hoffentlich in den kommenden Jahren geschlossen werden, wie zum Beispiel ein gutes öffentliches Verkehrsnetz und schöne, sichere Fahrradwege.

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Apulien (gerne mit Bild)?

 

Die Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Es gibt unzählige schöne und einzigartige Stätten in Apulien. Viele davon sind leicht in Reiseführern zu finden. Deshalb möchte ich hier einen eher unbekannten Ort vorstellen: Die Lama d’Antico bei Fasano. Dabei handelt es sich um einen Canyon, der seit der Frühzeit bewohnt war und insbesondere im Mittelalter zu einem Höhlendorf ausgebaut wurde, mit aus dem Feld geschlagenen Häusern, Ställen, Zisternen und Kirchen, die überdies noch mit byzantinischen Fresken ausgemalt sind. Dazwischen wachsen jahrhundertealte Olivenbäume. 

Es gibt eine ganze Anzahl dieser Höhlenkirchen und -städte. Die Lama d’Antico ist hervorzuheben, weil sie recht groß und trotzdem relativ unbekannt ist. Man kann dort hervorragende Führungen von Spezialisten buchen (auch auf englisch), überdies finden im Sommer verschiedene Events, wie zum Beispiel Mittelalterworkshops, Konzerte, kulinarische Veranstaltungen oder Nachtführungen mit UV-Licht, unter dem man sonst nicht sichtbare Details der Wandmalereien erkennen kann, statt.

 

Lama d `Antico
copyright Ursula Janßen

2. slowlento - Entschleunigung im Salento

Was macht Apulien in Ihren Augen so besonders oder sogar einzigartig?

 

Die Liebe zu diesem Land, den Menschen, der Landschaft und das außergewöhnliche Licht. Finibus Terrae, das Land am Ende der Welt. Wir lieben den Salento, die Freude an Überraschungen und den Abenteuern des täglichen Lebens im Süden von Apulien.

 

 

Was ist Ihre Reisephilosophie? Was soll der Kunde von der Reise mitnehmen?

 

Der Kunde soll eine Auszeit im Salento machen. Weg von den Zwängen des täglichen Lebens. Durchatmen und Neues erfahren. Dabei soll es mehr als eine Reise sein, sondern Leben in einer vollkommen anderen Welt, um neue Energie zu tanken und auf neue Ideen zu kommen.

 

 

Wie kann der Tourismus Apulien (positiv) verändern? Gibt es auch Gefahren?

 

Der Tourismus in Apulien muss die Herausforderungen annehmen und neue Wege entwickeln außerhalb des Strand- und Sonnentourismus im August. Das Land hat viel mehr zu bieten als nur das absolut wunderschöne Meer.

 

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Apulien (gerne mit Bild)?

 

Der magische Platz auf unserem Caseddhu / Pajara (Salentinischer Trullo) mit 360 Grad Blick in die Olivenhaine rund um Ugento. Das Ionische Meer am menschenleeren Strand zwischen Torre San Giovanni und Torre Mozza an einem klaren und warmen Oktoberabend kurz vor Sonnenuntergang.

 

copyright slowlento

 

link zur -> homepage von slowlento - Entschleunigung im Salento

 

 

3. Apulia slow travel

 

Was macht Apulien in Ihren Augen so besonders oder sogar einzigartig?

 

Die Schönheit Apuliens ist die Authentizität eines Landes die trotz der Tourismusbewegung der letzten Jahren seine Identität nicht verloren hat. Apulien ist einzigartig wegen der facettenreiche Vermögen des Landes: von Kultur zu Natur bis hin zu Kulinarik.. das Land hat viel anzubieten, jede Ecke Apuliens hat etwas einzigartiges zu erzählen. Was aber uns meist fasziniert ist die apulische Agrarlandschaft, die durch Generationen von opferbringenden Bauern umgeformt worden ist und heutzutage eine echte gigantische Skulptur darstellt, wenn man an die Trulli, die Trockemauerwerke, die Terrassierungen und die Masserien denkt, muss man einfach erstaunen und sich vorstellen, was Generationen von armen Menschen ohne jegliche Technologie in der Vergangenheit geleistet haben. Das macht Apulien besonders und diese Landschaft ist das wahre Markenzeichen des Landes.

 

Was ist Ihre Reisephilosophie? Was soll der Kunde von der Reise mitnehmen?

 

Wir haben eine ganz klare Reisephilosophie, die wir ständig versuchen unseren Gästen zu vermitteln: Apulien mit und durch Einheimische erleben und entdecken! Wir sind selber Touristen und sind selber sehr gereist und haben im Ausland gelebt. Was wir an unseren Reisen immer sehr faszinierend gefunden haben ist das Menschliche, die Menschen, die wir getroffen haben und ihre Geschichte. Dadurch konnten wir uns ein wahres Bild des Landes verschaffen. Durch unsere Erfahrung als Reiseleiter merken wir immer, dass was den Gästen am meisten gefällt, jenseits der Schönheiten des Landes, ist eben das Menschentreffen auf Augenhöhe. Wir sind davon bewusst, dass das Menschlische und eine menschlische Beziehung aufzubauen das ist, was die Gäste meist mit nach Hause aus einer Reise mitnehmen. Die menschliche Erfahrung ist eine Reise wert! Was wir eben unseren Gästen anbieten, ist die Möglichkeit das Land durch die Augen der Einheimischen zu entdecken und zwar nicht nur durch uns sondern durch unsere Freunde, Verwandte und Bekannte. Unsere Routen gehen über die traditionellen Reiserouten hinaus. Wir besuchen gemeinsam Straßenmärkte, Friedhöfe, kleine versteckten Osterien, wo nur Einheimischen gehen, wir erzählen nicht nur die schöne Seite des Landes, sondern auch die schlechte. Uns ist es wichtig, dass die Gäste eine kulturbereichernde Erfahrungen mit uns machen und nicht einfach schöne Ecke fotografieren ohne diese Ortschaften mit schönen Erfahrungen zu assoziieren, aber auch nicht dass die Gäste die schlechte Seiten des Landes sehen, ohne die Hintergrunde zu erfahren. Es ist eine schwierige Aufgabe für uns, aber das machen wir gerne und mit Leidenschaft! :)

 

Wie kann der Tourismus Apulien (positiv) verändern? Gibt es auch Gefahren?

 

Tourismus kann ohnehin die apulische Gesellschaft positiv verändern, nicht nur im reinen ökonomischen Sinne, sondern im Sinne von einer Veränderung der Gesellschaft. Natürlich durch die steigende Aufmerksamkeit von Seiten der ausländischen Gästen, die unser Land jedes Jahr besuchen sind wir etwas bewusster geworden und können mehr schätzen, was wir von unseren Vorfahren geerbt haben. Das ist natürlich sehr positiv für die Gesellschaft, für das Bewusstsein und Optimismus der Menschen der Zukunft gegenüber. Gefahren des Tourismus gibt es leider schon. Massentourismus, riesengroße abgelegene Ferienanlagen, wo Massen von Menschen Apulien nur "sehen" aber nicht "erleben", sind nicht unbedingt nachhaltig und tragen nicht unbedingt zur Verbesserung der sozioökonomischen Bedingungen des Landes bei. Wir unterstützen vielmehr einen nachhaltigen Tourismus auf Augenhöhe, der nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Einheimischen eine Bereicherung darstellt und zwar nicht nur im ökonomischen, sondern auch und vor allem im menschlischen Sinne. Das ist im Endeffekt das Schöne des Tourismus: die gegenseitige Bereicheung und das Treffen von unterschiedlichen Kulturen auf Augenhöhe.

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Apulien (gerne mit Bild)?

 

Die Frage können wir kaum beantworten.. was wir auf jeden Fall behaupten können, ist dass die schönen abgelegenen Naturecken Apuliens uns am meisten faszinieren und Torre Guaceto ist auf jeden Fall eine davon.

 

Torre Guaceto Copyright Apulia Slow Travel
Torre Guaceto Copyright Apulia Slow Travel

4. Sapio - kulinarische Entdeckungsreisen

 

 

Was macht Apulien in Ihren Augen so besonders oder sogar einzigartig?

 

Für uns gehört die Küche Apuliens zu den besten Regionalküchen des Landes! Man findet hier hervorragenden Fisch, bestes Olivenöl und unglaublich aromatische Gemüse, die wir in unserer Heimat zum Teil gar nicht kennen – haben Sie beispielsweise schon mal Kardonen gegessen? Dazu die Gastfreundlichkeit der Menschen und die vielfältigen Landschaften – vom kleinen Küstenstädtchen Trani bis zum Gargano, dem kulinarisch reichen Gebirge im Norden.

 

Was ist Ihre Reisephilosophie? Was soll der Kunde von der Reise mitnehmen?

 

Wir bieten kulinarische Entdeckungsreisen für Menschen mit Interesse an gutem Essen und Trinken, Landwirtschaft, Natur und Kultur. Wir möchten eine ungewöhnliche Perspektive auf Reiseorte bieten: Zu Tisch beim Winzer, auf einem Trabucco mit dem Fischer oder zu Besuch bei einem Käser lernen unsere Reisenden die Menschen, ihre Geschichte und Lebensmodelle kennen. Unser Ziel ist, dass unsere Gäste am Ende einer Reise das Gefühl haben, mehr in Kopf und Herz, als am Bauch gewonnen zu haben!

 

Wie kann der Tourismus Apulien (positiv) verändern? Gibt es auch Gefahren?

 

Eine Richtschnur sollte sein, Reisen in Verantwortung und im Einsatz für einen nachhaltigen Tourismus zu entwickeln. Auf unseren Reisen wohnen wir in familiengeführten Unterkünften, essen regionale und saisonale Produkte und arbeiten ausschließlich mit einheimischen Produzenten und Restaurants zusammen, sodass ein Großteil des Reisepreises, den die Gäste zahlen, bei den Menschen vor Ort bleibt. Zugleich dürfen wir jedoch auch ethische Fragen nicht ausblenden, wie z.B. Mindestlöhne, den Verzicht auf bedrohte Fischarten wie Thunfisch oder Pestizide in der Landwirtschaft.

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Apulien (gerne mit Bild)?

 

Die Terrasse und der Pool unserer ersten Unterkunft auf der Reise, der Biomasseria Lama di Luna, von denen man auf ein Meer von Olivenbäumen blickt! Die Masseria aus dem 18. Jahrhundert liegt im Landesinneren inmitten der Natur, umgeben von Oliven-, Feigen- und Maulbeerbäumen, nachts hört man den Kauz rufen, der Sternenhimmel ist ganz klar - ein perfekter Ort, um abzuschalten und zu entspannen. Wenn wir am ersten Abend unserer Reise mit einem kühlen Glas Weißwein auf derTerrasse sitzen und den Sonnuntergang vor dem süditalienischen Himmel bestaunen, sind wir in Apulien angekommen!

 

Biomasseria Lama di Luna Copyright SAPIO/Philipp Boecker
Biomasseria Lama di Luna Copyright SAPIO/Philipp Boecker

 

-> link zur Homepage von Sapio