Hirngespinste und Seemannsgarn

 

Ein paar inspirierende Reise-Zitate für alle, die zuhause bleiben müssen und die nächste Reise nicht abwarten können. Mit an Bord des Traumschiffs sind Jules Verne, Viktor Segalen, John Berger u.a... Auf zu neuen Ufern!

 



Das Meer der Möglichkeiten

 

"Auch ist das Meer gerade das beste Element, die einzige Umgebung, in der Riesen, neben denen die Landtiere Elefant und Rhinozeros nur Zwerge sind, entstehen und sich entfalten können. Die Wasser der Meere tragen die größten Gattungen bekannter Säugetiere und bergen vielleicht noch Molusken von ungeheuerlicher Gestalt, schreckenerregende Schalentiere, hundert Meter messende Hummer und zweihundert Tonnen schwere Krabben. Warum nicht? In der Urzeit waren schließlich die Landtiere, Quadrupeden und Quadrumanen, die Reptilien und Vögel alle nach gigantischen Mass gebaut. Der Schöpfer hatte sie aus übergroßen Mustern gebildet, die dann von der Zeit nach und nach gestutzt worden sind. Während der Erdkern in nahezu unaufhörlicher Bewegung ist, bleibt sich doch das Meer stets unveränderlich gleich. Warum sollte es in seinen unbekannten Tiefen nicht gewaltige Probestücke eines anderen Zeitalters aufbewahrt haben? Warum sollte das Meer nicht letzte Exemplare titanischer Gattungen, an denen Jahrhunderte wie Jahre vorbeigingen, in seinem Schoße bergen?"

 

(Jules Verne, 20 000 Meilen unter Meer)

 

 

 

 

„Es gibt unter den Menschen geborene Reisende: das sind die Exoten. Sie werden unter den kalten und spröden Entstellungen der Sätze und Wörter jenes unvergessliche Schauern wiedererkennen, das von solchen Momenten hervorgerufen wird, wie ich sie beschrieb: das sind die Momente des Exotismus. (...)

 

Der Exotismus ist keine Anpassung sondern die scharfe, unmittelbare Wahrnehmung einer ewigen Unverständlichkeit und Undurchdringbarkeit. (..) Hier könnte die Frage angebracht werden, ob eine Steigerung unseres Wahrnehmungsvermögens hinsichtlich des Diversen unsere Persönlichkeit bereichert oder einengt? Wird ihr etwas genommen oder wird sie dadurch vielschichtiger? Es besteht kein Zweifel: sie wird um das ganze Universum bereichert."

 

(Victor Segalen: Die Ästehtik des Diversen)

 

 

In Bewegung bleiben

 

"Die Versprechung einer Bewegung ist ihr künftiger Sieg, die Versprechungen der bewegenden Momente am Wegrand dagegen sind unmittelbar. Zu solchen Momenten zählt – ob lebenssichernd oder tragisch endend – auch die Erfahrung von Freiheit durch Handeln. (Freiheit ohne handeln gibt es nicht). Solche Momente sind transzendent - das was Spinoza ewig nannte - wie kein historisches Resultat es jemals sein kann und sie sind zahlreich wie die Sterne in einem sich ausdehnenden Universum. (…) Sehnsucht ist Hunger. Hunger nach dem was jetzt nottut.“

 

 (John Berger: Mit Hoffnung zwischen den Zähnen)

 

 

Unmögliche Orte

 

"Eine Utopie („der Nicht-Ort“; aus altgriechisch οὐ- ou- „nicht-“ und τόπος tópos „Ort“; vergleiche auch Eutopie und Dystopie und Atopie) ist der Entwurf einer fiktiven Gesellschaftsordnung, die nicht an zeitgenössische historisch-kulturelle Rahmenbedingungen gebunden ist. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird Utopie auch als Synonym für einen von der jeweils vorherrschenden Gesellschaft vorwiegend als unausführbar betrachteten Plan, ein Konzept und eine Vision, benutzt.

 

Die Atopie (griechisch ατοπία atopía „Ortlosigkeit“, „nicht zuzuordnen“, „von hoher Originalität“) bezeichnet die Unbeschreiblichkeit und Unverortbarkeit des selten zu Erlebenden, des Herausgehobenen, des Originals im besten Sinne. Atopie wird entweder verstanden als ein Ethos, eine − an sich oder anderen − beobachtbare (Erlebnis-)Qualität, oder als ein Ideal (etwa im Geniekult der Epoche der Romantik)."

 

(Wikipedia)

 

 

Aussteigen

 

"vorbei ist vorbei

die Leinen los und abgelegt

nichts bleibt und nichts wird wie's nie war"

 

( Das Auge Gottes)

 

"Wer zulange an einem Ort bleibt, wird zu diesem Ort."

 

(Rocky IV)

 

 

 

"Unser Protest war eine Suche nach Heimat."

 

(unbekannt)


Ähnliche Themen:

 

Ausstieg auf Zeit und ein Gefühl von Heimat. Ich werde für drei Wochen eine Aushilfe in der Landwirtschaft im Itriatal.

 

Einladung zu einer Phantasiereise gegen die Alternativlosigkeit und die Behauptung, die Welt sei nur ein Spiegel unseres Ichs.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0