Und so war deine Schönheit nicht länger Schönheit

 

 „Der Kontrast zu den Nachrichtenkommentaren und zu den Informationen von heute ist so groß, daß man sich am Ende des Films sagt: Es sind also nicht nur Tiere und Pflanzenarten, die heute vernichtet werden oder vom Aussterben bedroht sind, sondern Stück für Stück auch unsere menschliche Werteordnung.(...) Vorrangig bekämpft werden diejenigen unserer Werte, die sich aus dem Bedürfnis entwickelt haben, aufeinander zuzugehen, etwas weiterzugeben, zu trösten, zu trauern und zu hoffen.“ ( John Berger über den Film " La Rabbia" )

 

 

1962 bekam Pier Paolo Pasolini von dem Wochenschauproduzent Gastone Ferranti das Angebot, Nachrichtenarchive zu benutzen, um daraus einen Film zu machen. Der Film sollte die Frage beantworten: „Woher kommt die weltweite Furcht vor einem Krieg?“ Es entstand ein Film mit dem Titel „ La Rabbia“ ( Der Zorn), der nie in die Kinos kam. John Berger nennt den Film einen Liebesfilm, der weder die Frage noch die Antwort direkt berührt. Kommentiert wird der Film von zwei Stimmen. Die eine Stimme informiert uns, die andere erinnert uns. Die Stimmen sprechen nicht, um irgendetwas zu beweisen, sondern weil es eine Schande wäre, wenn angesichts der Fülle menschlicher Erfahrungen und menschlichen Schmerzes unausgesprochen bliebe, was hätte gesagt werden müssen. Bliebe es ungesagt, wäre unsere Fähigkeit Mensch zu sein ein Stück weit beeinträchtigt.

( John Berger: Mit Hoffnung zwischen den Zähnen)

 

-> "La Rabbia" ganzer Film

 

 

Das Gesicht des Anderen ist die erste Bedeutung, die dem Menschen in seinem anonymen, chaotischen Sein wie eine Epiphanie aufgeht, noch bevor es Begriffe, Sprache, Kultur oder Geschichte gibt.

Der Andere, der sich in seinem Gesicht offenbart, begründet die Ethik von Emmanuel Levinas, der sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie man einem Anderen begegnet, der stört, weil er bedürftig ist. Er schreib: „ Den Anderen anerkennen heißt seinen Hunger anerkennen.“

Levinas ´ Denken war vom 2. Weltkrieg geprägt, seine Familie wurde von den Nazis ermordet und er selbst verbrachte 5 Jahre in deutscher Kriegsgefangenschaft. In dem Text Namenlos entwarf er das Bild einer „nach allen Winden offenen Laubhütte, in der Menschlichkeit Obdach findet, wenn unsere Werteordnung sich als hinfällig erweist. Die Erfahrung der eigenen Verwundbarkeit ist dabei für die Wertschätzung des Anderen wichtig. „Und dieser Andere begegnet als „Antlitz“ (visage), als Verbot: „Du sollt mich nicht töten“, und als Gebot: „Du sollst mich in meinem Sterben nicht alleine lassen".“

( Emmanuel Levinas: Totalität und Unendlichkeit )

 

 

 

 

Was glauben Sie denn ist ein Künstler? Ein Schwachsinniger nur mit Augen, wenn er Maler ist, nur mit Lyra für alle Herzensdinge, wenn er Dichter ist, oder gar nur mit Muskeln, wenn er Boxer ist? Ganz im Gegenteil! Er ist gleichzeitig ein politisches Wesen, das ständig inmitten der zerstörerischen, brennenden oder beglückenden Weltereignisse lebt und sich ganz und gar nach ihrem Bilde modelt. Wie könnte man kein Interesse n den anderen Menschen nehmen und sich im elfenbeinernen Turm von einem Leben absondern, das einem so überreich entgegngebracht wird? Nein, die Malerei ist nicht dazu da, Wohnungen auszuschmücken! Sie ist eine Waffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind.

 

( Pablo Picasso zitiert aus: Grafiken gegen den Krieg )