Die Masseria

 

Ein Bauernhaus, eine Sommerresidenz, eine Festung, ein heiliger Ort - ein steinernes, historisches Monument inmitten der roten Erde Apuliens. Sie prägen bis heute das Landschaftsbild Apuliens und gehören zum kulturellen Erbe, auf dass die Apulier stolz sind. Masserien sind für Süditalien typische Gutshöfe, von denen die ersten aus dem 13 Jahrhundert stammen . Einige Masserien stehen heute als Ruinen verlassen in der Landschaft, andere wurden in den letzten Jahren in Agritourismi, B&B oder in Luxusresorts verwandelt, wo man Spitzenpreise bis zu 30.000 Euro in der Woche bezahlt.

 

Die typische Masseria ist oft eine Kombination aus biologischer Landwirtschaft und "Fünf-Sterne"-Unterkunft. Urlaub inmitten der Natur, gesunde Ernährung, Lifestyle , manchmal mit eigenem Spa und angeschlossenem Beach- oder Golfclub - die größeren Masserien sind auch beliebt bei Hochzeitsgesellschaften. „Lassen wir die Welt draussen, in ländlicher Atmosphäre an einem Ort, wo die Zeit still zu stehen scheint, " lautet das Motto, wenn Masserien zu exklusiven Freiendomizilen auch für VIPs werden. Abgeschiedenheit und Ruhe versprechen die einen Masserien, andere sind offene Orte, die einladen zum gemeinsamen Gärtnern, Essen, Woofen oder Pasta-Herstelllen.

 

Die Geschichte der Masserien

 

Masserien sind im wesentlichen große Gutshöfe. Neben dem Hauptgebäude gehörten früher zum Gehöft auch die Unterkünfte der Bauern, Ställe, Futter- und Getreidelager, Räumlichkeiten zur Herstellung typischer Produkte: eine Mühle, eine Käserei oder Ölpresse. Die verschieden Komplexe können durch Bogengänge verbunden sein.  Sie stehen einzeln in der Landschaft und ähneln im Grunde autonomen Minidörfern. Die Masseria hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Formen angenommen. Was die Gutshöfe in der mediterranen Tradition fast immer gemeinsam haben, ist die Einfriedung, die aus einer hohen, befestigten Mauer und einem großen zentralen Hof besteht. Ein zu Wohnzwecken genutzter Teil des Gebäudes verfügte in der Regel über ein oder mehrere Obergeschosse, in denen der "Herr" und seine Familie wohnten. Die unteren Stockwerke dienten als Wohnräume für die Bauern und als Lager für Vorräte und Futtermittel. Der Ofen und die Zisternen zum Sammeln des Regenwassers sorgten für eine völlige Unabhängigkeit von den Städten und Dörfern. In den wichtigsten Höfen gab es auch eine kleine Kirche.

 

Besonders zwischen Bari und Brindisi wurden Masserien mit Türmen und Gräben ausgestattet und bildeten eine Verteidigungslinie gegen Invasoren. Im 18. und 19. Jahrhundert verwandelten sie sich häufig in Sommerresidenzen der Adligen und später des Bürgertums. Masserien sind in Süditalien weit verbreitet, vor allem in Apulien, der Basilikata, im oberen Teil der Murgia-Hochebene, im äußersten Norden Kalabriens, im zentralen Hinterland Siziliens.

 

Masseria Don Cataldo in Adelfia

 

Mit seinen Türmchen, Loggien und Bögen ähnelt die Masseria Don Cataldo ( auch"Castello delle Fascine“) mehr einem Märchenschloss als einem Bauernhof, erst recht wenn man die mit Stuck und wertvollen Fresken verzierten Räume, Reliefbögen und Marmorsäulen  im Inneren der Masseria sieht. ( gönnt euch mal die 4 Minuten Diaschow oder seht euch die Fotos in diesem Artikel an -> Torri e affreschi- Don Cataldo, la masseria abbandonata più bella del barese )

 

Der Komplex wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Carlo Tommaso De Nicolai, dem damaligen Markgrafen von Canneto, erbaut. Vom Vestibül, in dem ein riesiges vergoldetes Wappen die Wand beherrscht, führen zwei Seitentüren in den zentralen achteckigen Saal . Einige Fresken stellen Szenen aus Dichtungen dar, andere geometrische und naturalistische Dekorationen. Die Masseria ist seit mindestens fünfzig Jahren verlassen und die Fresken teilweise mit "Graffiti" übermalt.

 

Nicht verwechseln mit der Masseria Don Cataldo Nahe Ostuni. 14  verlassene Masserien in der Gegend rund um Bari mit Karte findet ihr in diesem - > Artikel von 2013. Vielleicht sind einige dieser Masserien bereits Luxushotels.