Gegenfeuer 2020

 

„Dieses Europa hat keine andere Utopie als jene, die sich zwangsläufig aus den Unternehmensbilanzen und Buchführungen ergibt, kein positives Projekt, nur das der shareholder, denen es nur noch um maximale Renditen geht, denen Bildung und Kultur nur noch als Produktionsfaktor in die Sinne kommen...Es ist höchste Zeit die Voraussetzungen für den kollektiven Entwurf einer sozialen Utopie zu schaffen...“ Pierre Bourdieu schrieb das in „Gegenfeuer“, 1998.

 

Ich habe im letzten Artikel -> Gegenfeuer- gegen das neue normal beschrieben, welcher Kulturbruch uns durch Corona und den beknackten Reset bevorstehen könnte.

Diagnose: kollektives Trauma.

 

Ich mache jetzt einen kleinen Reset auf diesem Blog. Ich kann zwar momentan nicht mehr über Apulien schreiben, weil es zuviele Erinnerungen und Sehnsüchte wecken würde, aber ich schreibe auf der Unterseite Gegenfeuer weiter gegen das neue normal und für den Faktor Mensch, wie ich es vorläufig mal nenne.

 

Es wird darum, gehen Worte und Bilder zu finden, für das was passiert. Es wird darum gehen, Fähigkeiten wiederzuentdecken, die verkümmert sind, wie zum Beispiel die Fähigkeit zu trösten, aufeinander zuzugehen, aber auch Nein zu sagen, sich nicht an den Ausnahmezustand zu gewöhnen, zu verhärten, zu erstarren zu versteinen. Es wird ein harter, kalter Winter werden.

 

 

Liste möglicher Wiederentdeckungen oder Wiederbelebungen

 

der homo amans ( der liebende Mensch)

 

homo creator ( schöpferischer Mensch)

 

homo cooperativus ( zusammenarbeitender Mensch)

 

homo ferus ( der wilde Mensch)

 

homo heroicus ( der heroische Mensch)

 

homo magicus (Der magisch denkende und handelnde Mensch)

 

homo pictor ( der malende Mensch)

 

homo politicus ( der politische Mensch)

 

homo ridens ( der lachende Mensch)

 

homo sacer ( der heilige Mensch)

 

homo socius ( Mensch als Gefährte )

 

homo religiosus ( der religiöse Mensch)

 

Lektion 1 : Schmerz zulassen

Keine Worte mehr nur Bilder.

Geschichten rund ums Feuer

 

t.me/Gegenfeuer

 


Es ist der 21.12.2020 um 23.22 uhr. Heute Nacht ist eine besondere Sternenkonstellation, die es erst in 800 Jahren wieder gibt.

 

Ich habe schonmal so eine Nachtmeerfahrt gemacht. Zwei drei Jahre. Nur dasitzen im Park und malen für mich, für niemand anderen mehr. Das WIE nicht das was. Das Spüren bewahren.

 

jemand, der mich inspiriert, ist aufgetaucht.

 

Sammeln und sortieren

DER NOBELPREIS ( Boris Paternak)

 

Bin am End, ein Tier im Netze.
Fern gibt’s Menschen, Freiheit, Licht.
Hinter mir der Lärm der Hetze,
Und nach draußen kann ich nicht.

Finstrer Wald, ein Teich inmitten,
Tannenstamm, gefällt vom Streich.
Jeder Weg ist abgeschnitten.
Komm, was wolle, mir ist’s gleich.

Was verbrach ich an Gemeinem,
Ich ein Mörder, ein Popanz?
Ließ die ganze Welt nur weinen
Ob der Schönheit meines Lands.

Doch auch so, schon nah dem Sarge,
Glaub ich, eine Zukunft winkt,
Wo die Macht des Tückisch-Argen
Vor dem Geist des Guten sinkt.

Immer näher komm die Meute.
Andre Schuld liegt noch auf mir:
Meine rechte Hand fehlt heute,
Die Geliebte ist nicht hier.

Mit dem Strick schon um die Kehle
Sei mein letzter Wunsch bekannt:
Daß die Tränen meiner Seele
Abwisch meine rechte Hand!

Januar/März 1959

Übersetzt von Rolf-Dietrich Keil

 

„Es sind keine Fässer.
sind keine Bomben.
sind keine Granaten.
Es sind VERSE.
Sie können von allem erzählen:
von Schmerz, von der Freude am Warten, vom Leben,
vom Sturm, vom Tod des Friedens.
Sie brechen die Stille nicht, sie komponieren sie.
Sie verletzen die Einsamkeit nicht, sie trösten sie.
Der Knall ist choral, universell.
Es steigt tief nach innen hinab.
und orchestriert in der Tiefe die tausend Stimmen.
und die Phantasmagorie der Seele."

(Giovanni SCAVO)