Zur Geschichte Materas

Das auf einer karstigen Hochebene gebaute Matera ist berühmt für seine Altstadt, die zu großen Teilen aus Höhlenwohnungen, den sogenannten Sassi, besteht. Hinter den  Häuserfassaden aus maurischen Elementen, Barock und Renaissance verbergen sich noch zahlreiche Höhlen, die seit der Frühzeit bewohnt waren. Aus der Bronzezeit stammt auch das ausgeklüglte Bewässerungssystem aus Rinnen, Tunneln und Zisternen. Matera ist mit ca. 9000 Jahren eine der ältesten Städte der Welt.

 

Bis in die 1950er Jahre waren die etwa 3000 Höhlenräume noch von ca. 15.000 Menschen bewohnt. Die Sassi waren nicht nur Wohn- und Schlafraum, sondern auch Stall für die Tiere. Schlechte hygienische Bedingungen führten Ende der 40er Jahre zum Ausbruch einer Malariaepedemie. Als Carlo Levi in seinem berühmten Buch "Christus kam nur bis Eboli"  die ärmlichen Verhältnisse in Matera beschrieb, wurde die Stadt von der italienischen Regierung zum nationalen Schandfleck erklärt.

Zu Beginn der 60er Jahren begann dann die Umsiedlung der Menschen in Sozialwohnunen. Eine mehrere Jahrtausende alte Wohnkultur, in der Menschen auf engstem Raum in nachbarschaftlichen Verbünden lebten, fand damit ihr vorläufiges Ende. Gleichzeitig wurde Matera zur biblischen Kulisse für inzwischen 50 Filme, darunter Mel Gibsons „Die Passion Christi“, „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi und ->  „Das Matthäusevangelium“ von Pier Paolo Pasolini, der hier die geheimnisvollen und präindustriellen Gesichter und Kulissen fand, nach denen er solange gesucht hatte. Es gibt ein kleines Filmmuseums, in der eine Abteilung Pasolinis Film gewidmet ist und Fotos von den Dreharbeiten zu " Die Passion Christi" zu sehen sind ( Casa del cinema, Via Vetera 34, Eintritt 1, 50 Euro).

 

Seit Mitte der 60er Jahren werden die Höhlenräume wieder restauriert und heute entstehen in den den Mehrzimmergrotten luxoriöse Appartements.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die barocke Kirche des heiligen Franziskus von Assisi und die Kathedrale von Matera im apulisch romanischen Stil. Es gibt auch an die 100 Höhlenkirchen, in denen nicht immer nur zu einem christlichen Gott gebetet wurde, z.B.  die Felsenkirchen San Pietro Barisano, Cappuccino Vecchio, Cappuccino Nuovo und die Chiesa di Santa Maria dell' Idris oder auch Madonna de Idris genannt ( mitten in der Stadt). Am berühmtesten ist die Cripta del pecato originale ( die Krypta der Erbsünde), auch sixtinische Kapelle der Basilicata genannt.

 

Die Stadt Matera gehört eigentlich seit 1663 nicht mehr zu Apulien, sondern zu Basilika. Nur 15 km von der Grenze zu Apulien entfernt, sowie historisch und kulturell von Apulien geprägt, taucht Matera aber in fast jedem Reiseführer über Apulien auf.

Seit 1993 ist Matera UNESCO-WELTKULTURERBE und  2019  Kulturhauptstadt Europas. -> Programmüberblick Matera2019

 

-> SWR Bericht über die Felsarchitktur in Matera aus der Reihe "Schätze der Welt"

 

Wie die Höhlenwohnungen von innen aussahen, rekonstruiert die ->Casa Grotta Vico Solitario.