Utopia - ein größeres Schiff und eine neue Weltkarte

 

" Wir werden ein größeres Schiff brauchen" sagt Captain Brody in Der weiße Hai , nachdem er dem Riesenhai ins Auge gesehen hat. Mir fällt dieser Satz immer dann ein, wenn ich das Gefühl habe, den Katastophen dieser Welt nichts mehr entgegensetzen zu können. Das Wort Blog kommt von Web-log und ein Logbuch war ein Tagebuch, das auf Schiffen verwendet wurde um die Reise aufzuzeichen.

 

Ich habe diesen Blog begonnen, weil ich in Apulien das Gefühl hatte, an etwas erinnert zu werden, was ich verloren oder nie gehabt habe. Heute weiß ich etwas besser, was das ist: Kultur. Nicht die Kultur im Theater, Museum, Kino oder Konzert, sondern Alltagskultur die Orientierung und Gemeinschaft schafft. Im letzten Herbst habe ich einen Artikel mit dem Titel -> "Die goldene Insel" bei Rubikon veröffentlicht, in dem ich über Franco Cassanos Mittelmeerutopie berichtet habe.

 

Es sieht nicht besonders gut aus für die Verwirklichung von Cassanos Utopie. Es sieht momentan überhaupt nicht gut aus in Deutschland, Europa und weltweit, aber oder gerade deswegen:

 

"Eine Weltkarte, auf der das Land Utopia nicht verzeichnet ist, verdient nicht mal einen flüchtigen Blick, denn ihr fehlt das Land, das die Menschheit seit jeher ansteuert." (Oscar Wilde)

 

Ausgebootet: Iuventa, Aquarius, Sealife

 

Ein rettender Stern, ein größeres Schiff, eine neue Landkarte... mit mehr Hoffnung, mehr Utopien, mehr Träumen, mehr Dialog. Klingt romantisch? Zu naiv? Aus heutiger Sicht naiv wirkt auch die NGO " Jugend rettet", die mit dem Boot Iuventa 2016 im Mittelmeer unterwegs war, um Flüchtlinge zu retten und die Politik auf das Problem aufmerksam zu machen. Der italienische Filmemacher Michele Cinque begleitete die Crew bis das Schiff 2017 festgesetzt und die Mannschaft wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung angeklagt wurde. " Willkommen in Europa! Wir sind aus Deutschland" ruft die Mannschaft bei ihrem ersten Einsatz den Flüchtlingen im Schlauchboot zu.

Es ist ein eher leiser Film ohne große dramatische Momente. Eher zeigt "Iuventa", wie sehr sich der Wind in Europa gedreht hat. Zur Erinnerung: vor zwei Jahren wurde in Deutschland versucht Willkommenskultur zu leben. Jetzt höre auch ich in meinem Bekanntenkreis immer öfter " ich bin ja kein Rassist, aber... ". Andere fragen, müssen wir die Aufklärung und ihre humanistischen Werte vor Europa retten? Und ich frage mich, was wird uns in zwei Jahren naiv vorkommen.

 

Danke an Iuventa, Aquarius, Sealife.!!!! Ihr seid Helden.

 

-> Iuventa Dokumentarfilm von Michele Cinque, Italien/Deutschland 2018 in der 3sat Mediathek