Matera

 

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Castel del Monte, Alberobello

 

Das Castel del Monte, Matera und Alberobello sind alle auf ihre spezeielle Weise architektonische Wunderwerke und  UNESCO-Weltkulturerbe. Leider habe ich  das Castel del Monte bisher nicht selber besucht. Aber ich habe etwas recherchiert und ich hoffe, ich kann euch trotzdem einen guten Eindruck davon vermitteln.

 

Castel del Monte

 

Auch wenn ich es nie mit eigenen Augen gesehen habe, das Castel del Monte ist genau nach meinem Geschmack, denn es wurde scheinbar vor allem gebaut, um Menschen zum Staunen zu bringen. Das Castel ist widersprüchlich, rätselhaft, unverständlich wie der Herrscher, der es in Auftrag gab: Friedrich II.

Nachdem ich mir etliche Fotos und Videos über das Castel del Monte angesehen habe, hatte es mich völlig in seinen Bann gezogen. Ich will das Geheimnis über das wahre Aussehen des Castels hier nicht lüften. Vielleicht regt das etwas abstrakte Bild oben ja auch eure Phantasie an.

 

Egal aus welcher Perspektive man es betrachtet, das Kastell wirkt immer vollkommen symmetrisch und der Eindruck auf den Betrachter ist leicht und wuchtig zugleich. Stilistisch finden sich sowohl gotische, romanische, normannische und arabische Elemente. Es gibt aber auch Bezüge zu kabbalistischer, alchimistischer und astrologischer Symbolik, wie z.B. das häufige Auftreten der Zahl acht als Symbol für Unendlichkeit. 

Das Gebäude besitzt einen achteckigen Grundriss, acht Türme mit ebenfalls achteckigem Grundriss und im ersten Stock befinden sich acht Räume, sodass es einem in sich geschlossenen Kristall ähnelt. Die Maße des Kastells lassen sich auf Sternenkonstellationen oder die göttlichen, goldenen Proportionen beziehen, die in Gebäuden wie der Cheopspyramide wirksam sind.  Auch als eine gigantische Sonnenuhr lässt sich das Castel del Montel interpretieren, denn an der Schattenlinie im Innenhof lässt sich der Wandel der Jahreszeiten ablesen.

 

Zeichnung: Travus
Zeichnung: Travus

 

Friedrich II ließ das Kastell zwischen 1229 und 1249 auf einem Hügel bei Andria (ca. 60 km von Bari entfernt) bauen. Es besitzt keinen Burggraben, Schießscharten oder Mannschaftsräume, diente also nicht der Abwehr von Angreifern wie die anderen rund 300 Kastelle, die Friedrich II in Apulien bauen ließ. Wozu diente es dann aber?

Eine Vermutung lautet, dass es dem König als Rückzugsort und Jagdschloss diente, wo er auch eine Falkenzucht betrieb. Allerdings ist nicht bewiesen, dass er das Castel jemals persönlich betreten hat. Wahrscheinlicher ist, dass es allein Repräsentationszwecken des mächtigen Herrschers galt, der den meisten seiner Zeitgenossen unverständlich und fremd blieb und der deshalb "stupor mundi" ("Staunen der Welt") genannt wurde.

 

Seit 1996 ist das Castel del Monte UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Friedrich II - ein Kind Apuliens

 

Federico Secondo, wie er auf italienisch heißt, gehörte zum Adelsgeschlecht der Staufer. Ab 1198 war er König von Sizilien, ab 1212 römisch-deutscher König, von 1220 bis zu seinem Tod 1250 Kaiser des römisch-deutschen Reiches und ab 1225 auch „König von Jerusalem“. Von seinen 39 Regierungsjahren als römisch-deutscher Herrscher hielt er sich 28 Jahre in Italien auf. Apulien war seine Lieblingsregion, sodass die Deutschen ihm auch den Spitznamen Puer Apuliae ("Knabe/Kind Apuliens") gaben. Einige schätzten Friedrich II als äußerst gebildeten, weltoffenen Herrscher, verehrten und bewunderten ihn als Ideengeber für die Renaissance, der auch fernöstlichen Lehren nahe stand. Andere dagegen hassten ihn. Auf seinen Feldzügen soll er Raubkatzen und einen Harem mit sich geführt haben. Er war Andersgläubigen gegenüber tolerant, ließ Ketzer aber verfolgen und wurde schließlich von Papst Innozenz IV selbst zum Ketzer und Antichrist erklärt.

 

Aus dem Buch: De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“)
Aus dem Buch: De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“)

 

 

Ein Video über die Bezüge des Castel del Montes zur Cheopspyramide

 

 

Link zu einer 15 minütigen Doku des SWR über das Castel del Monte und Friedrich II in der Reihe "Schätze der Welt"

 

Link zur offiziellen Webseite des Castel del Monte

 

 

 

Hauptstadt der Trulli: Alberobello

 

Etwa 1500 weißgekalkte Trulli zieren die Altstadt von Alberobello, was soviel heißt wie „Schöner Baum“. Ich kann mir nicht helfen, aber mich erinnern die Trulli mit ihren typischen kegelförmigen Dächern immer an die Häuser der Schlümpfe.

Erst im 17 Jahrhundert wurde Alberobello auf Anweisung des Feudalherrn Gian Girolamo II Aquaviva in einem ehemaligen Waldgebiet im Itriatal gebaut. Verglichen mit anderen Städten und Dörfern Apuliens, von denen viele auf eine mehr als 2000 jährige Geschichte zurückblicken, ist Alberobello also fast modern. Warum Gian Girolamo die Bauern anwies, die Rundhäuser in Alberobello nach dem Vorbild ehemaliger Viehschuppen in Trockenbauweise zu errichten, ist bis heute rätselhaft.

Eine Erklärung lautet, dass er nicht im Besitz der königlichen Erlaubnis gewesen sei, einen neuen Ort zu errichten. Die Trulli hätte man im Falle einer Inspektion in einer Nacht abreißen und in der nächsten wieder aufbauen können. Mir persönlich und einigen Apuliern, mit denen ich gesprochen habe, erscheint das allerdings unwahrscheinlich, denn so schnell auf- und abzubauen sind die Trulli nun auch wieder nicht. Eine andere Erklärung lautet, der Adelige hätte für eine gemauerte Siedlung Steuern an den König von Neapel zahlen müssen.

Auf den Dächern vieler Trulli in Alberobello finden sich Symbole, die als Segenswünsche galten oder böse Geister abhalten sollten. Sie lassen sich in drei Typologien unterteilen :

Ursymbole, wie das Kreuz als Baum das die drei Welten Himmel, Erde und Unterwelt vereinigt.

Religiöse Symbole wie das durchbohrte Herz von Maria.

Magische und astrologische Symbole wie Merkur, Jupiter, Saturn.

Auch die Dachspitzen der Trulli haben verschiedene Formen inspiriert durch mystische oder religiöse Symbole.

 

Alberobello ist seit 1996 UNESCO-WELTKULTURERBE und da es nur etwa 10.000 Einwohner hat, fällt der Touristenansturm hier besonders auf. Daher solltet ihr nicht gerade am Wochenende nach Alberobello fahren, denn dann ist es sicher noch voller.

 

Kleine Anekdote zu meinem Alberobellobesuch: Ich habe mit einem Freund aus Apulien mal einen kurzen Abstecher nach Alberobello gemacht und war etwas enttäuscht, denn viele Trulli sind heute Ladenlokale, Souvenirshops und Restaurants. Alberobello wirkte auf mich wie eine Filmkulisse, in der niemand mehr wohnt. In dem Moment kam eine ältere Frau aus einem Trullo heraus und mein Freund wollte die Gelegenheit nutzen, um mir zu zeigen, dass hier doch noch Einheimische leben. Als er die Dame fragen wollte, ob wir den Trullo mal kurz von innen sehen könnten, stellte sich heraus, dass es sich um eine englische Touristin handelte, die kein Wort italienisch verstand.

Aber seht es euch selber an, denn es war wirklich nur ein kurzer Abstecher und es gibt bestimmt auch atmosphärische Ecken in Alberobello.

 

Das Museo del Terrritorio auf der Piazza XXVII Maggio dokumentiert das bäuerliche Leben im Itriatal. Die Außenfassade schmückt ein Bild und ein Gedicht von Pier Paolo Pasolini.

 

 

Meine Übersetzung des Textes von Pasolini ist bitte mit Vorsicht zu genießen. Poesie zu übersetzen ist eine Herausforderung, selbst für Menschen, die viel besser italienisch sprechen als ich.

 

 

„(...) Es ist der Himmel...

Es ist schwierig von der Reinheit dieses Himmels zu erzählen an diesem Sonntag Abend in Alberobello: ein nicht vorhandener Himmel, rein, gebunden an das Licht, an die fantastische Aussicht dieses Ortes.

Von den Häuserblocks der Trulli lässt sich nur in Begriffen der Kristallografie sprechen.

Alle festen Körper sind monströs zusammengeschmolzen, um einem neuen Körper Form zu schenken, zart, leicht.

Die Spitzdächer aus himmelblau-schwarz lösen sich jäh von dem gewundenen, gleichmäßigen Fundament, um den Himmel mit magischen Spitzen zu durchsetzen.

Es gibt keine Spuren von Elend oder Schmutz.

Die schmucklosen Trulli, vertieft in die abschüssigen Gassen des Bergdorfs, luftig und schneeweiß, sind voller Glanz auch im Innern hinter den schwarzen Türnischen, bedeckt von herab baumelnden Vorhängen wie von Netzen.

Die Wege, an dem Abend als ich ankam, waren verlassen: nur einige Kinder spielten vor den Schwellen sitzend inmitten all dieser Weiße.“

 

 

Das Itriatal ( Valle d`Itria)

-> Das Itriatal, in dem Alberobello liegt, ist unbedingt einen Ausflug wert und wenn euch Alberobello nicht gefällt, ist es von hier aus nicht weit entfernt ins ruhigere -> Locorotondo oder die Barockstadt -> Martina Franca (alle sind auch mit dem Zug gut zu erreichen).

 

Camping dei Trulli in der Nähe von Alberobello sieht aus wie ein schöner Campingplatz und ihr könnt da in Jurten übernachten, was ich sehr angenehm finde. Ich war selber noch nicht da, habe nur zufällig die Webseite entdeckt ( also ohne Garantie: www.campingdeitrulli.it )


Video aus den 50er Jahren: Im Land der Trulli, Mandeln und des Nougat