Das Licht des Südens

 

Wenn ich in Apulien ankomme, fühle ich mich jedesmal wie in einem Traum. Das hat was mit dem Licht zu tun, das irgendwie unwirklich, sanft und magisch, aber sehr schwer zu beschreiben ist.

 

Farbe beeinflusst das Gefühl und wirkt direkt auf die Seele . Es gibt „schöne“, dem Betrachter sympathische, Farben und Farben, die dem Auge weh tun und somit unsympathisch sind. Diese Theorie entwickelte Goethe in seiner Farbtheorie.

 

 

 

Apuliens Häuser sind nicht bunt wie z.B. in Cinque Terre, sondern weissgekalkt oder sandsteinfarben. Vor diesem hellen Untergrund wirken selbst rote Farbtupfer zwar leuchtend aber nie grell und man sieht deutlich, wie sich im Laufe des Tages die Farbtemperatur ändert, das Licht wärmer wird.

 

Der lungomare morgens und am späten Nachmittag:

 

Licht und Schatten

 

Wo viel Licht ist ist auch viel Schatten. Jeder Gegenstand bekommet einen "Doppelgänger, der umso verzerrter wirkt, je länger die Schatten wirken. Lampenschirme spenden Schatten statt Licht, die Sonne setzt in den Gassen der Altstädte Schlaglicher, die ganz langsam umherwandern.

 

Estate

 

In der Morgensonne erscheint alles blass und zart. In der Mittagssonne werden die Farben kräftiger und die Kontraste größer. Und wenn sich dieses Licht in einer Sommerwiese bricht oder die silbernen Blätter eines Olivenbaums erleuchtet, fängt alles an zu vibrieren. Ich muss an das Wort "estate" denken, das Sommer heißt und so ähnlich klingt wie Ekstase.

 

In Blau gemaltes Blau

 

"Nel blu dipitnto die blu" (in Blau gemaltes Blau) heißt das berühmte Lied des aus Apulien stammenden Sänger Domenico Modugno. Blau scheint die Lieblingsfarbe der Italiener zu sein: blauer Himmel, blaues Meer, blaue Fussballtrikots, Sonnenschirme, Boote. Manchmal ist sogar das Licht, das Jesus, Maria oder Padre Pio anstrahlt, blau. Blau ist  in der römisch-katholischen Farbsymbolik die Farbe der Gottesmutter Maria und eine liturgische Farbe.

 

Dämmerung- Blaue Stunde

 

Nach der Intensität des Mittagssonne, wird das Licht Abensd wieder sanfter und zunächst wärmer. In der sogenannten Blauen Stunde, wenn die Sonne untergegangen ist und sich das letzte Tageslicht mit den Lichtern der Altstadt mischt, entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Felsen, Häuserwände, Hafenmauern scheinen aus sich selbst heraus zu Leuchten. Kein Vergleich zu dem kalten Neonlicht vieler Großstädte.

 

 

"Mehr Licht." Das sollen Goethes letzte Worte gewesen sein. Apulien hat 300 Sonnentage im Jahr. Das bedeutet auch 300 Sternennächte und Mondlicht. Wie das aussieht und auf die Seele wirkt, kann ich euch leider nicht zeigen. Es gibt Menschen, denen angesichts eines Sternenhimmels schmerzlich bewußt wird, wie klein sie sind. Ich dagegen finde Sternenhimmel ungemein tröstlich und beruhigend. Der August ist übrigens der Monat mit den meisten Sternschnuppen. Ich habe in südlichen Nächten schonmal mehr als zwanzig in einer Nacht gesehen.

Unter den Sternen