Die weiße Stadt: Ostuni


 

In allen Altstädten Apuliens muss ich immer daran denken, was Jean Ziegler über Havanna gesagt hat: "  Schön hier. Sowenig Werbung, sowenig Verkehr. So sollte eine Gesellschaft sein."

 

Griechen, Byzantiner, Normannen, Staufer, Franzosen und Araber haben die Architektur der Dörfer und Städte in Apulien geprägt. Dabei scheinen die weißen Städte wie Ostuni einer modernen Design-Regel zu folgen: " Viel weißen Freiraum lassen, damit das Auge auf die Reise gehen kann."

Die meisten Orte sind nicht bunt wie in anderen Regionen Italiens, sondern sandsteinfarben oder weissgekalkt wie in Griechenland. Sie wirken fast etwas orientalisch. Für mich sind sie das absolute Gegenteil zum reizüberfluteten Berlin. Am besten schlendert ihr einfach durch die Altstädte und lasst die Atmosphäre auf euch wirken.

 

Ostuni

Piazza della Libertà mit der Säule des Schutzheilige Sant Oronzo, Ostuni
Piazza della Libertà mit der Säule des Schutzheilige Sant Oronzo

 

Ostuni wird auch“ Königin der Oliven“ oder „Weiße Stadt“ genannt, obwohl fast alle Orte in Apulien aus hellem Stein oder weiß gekalkt sind. Wer aus Richtung Bari anreist, sieht Ostuni  wie eine Fata Morgana in der Sonne glänzen, denn es liegt auf einem Hügel 200 m hoch über dem Meer. In der Mittagssonne wirkt Ostuni tatsächlich gleißend weiß, aber auch abends sind die Lichter bis ins 20 Kilometer entfernte Monopoli zu sehen.

 

Ostuni ist mit 30.000 Einwohnern eher eine Kleinstadt als ein Dorf. Die Altstadt ist von Einfriedungsmauern der Messapiker ungeben und geht fast nahtlos in die Neustadt über. Den Mittelpunkt Ostunis bildet die quirlige Piazza della Libertà, wo der Schutzheilige Sant Oronzo, der die Stadt vor einer Pest bewahrt haben soll, auf einer barocken Säule thront. Rund um die Piazza della Libertà gibt viele Cafes, Bars, Restaurants und einigen Souvenirläden, aber ein paar Gassen weiter hat sich der Rummel verlaufen (zumindest noch Mitte Juni).

 

Sehenswert in Ostuni

- die gothische Kathedrale von Ostuni aus dem 15. Jahrhundert (Piazza Beato Giovanni Paolo II)

- die barocke Kirche San Vito Martire  (Via Cattedrale) 

- das ->Museum für vorklassische Kultur der südlichen Murgia (Museo Civiltà Preclassica della Murgia Meridionale) und der archäologische Park 2 km außerhalb von Ostuni.

Das Museum  gibt Einblicke in die präantike Landwirtschaft des westlichen Mittelmeeres. Berühmtestes Ausstellungsstück ist “Delia“, das 24.500 Jahre alte Skelett einer Frau und damit einer der ältesten paloanthropologischen Nachweise des okzidentalen Mittelmeers.

- der Panoramablick am Rande der Altstadt auf die Adria

 

 

 

 

Ostuni liegt ca. 8 km entfernt vom Meer und ist umgeben von Olivenhainen. Die nähere Umgebung ist also zum Wandern und Baden geeignet.

Schöne Sandstrände gibt es nicht weit von den geschützen Naturparadiesen Torre Guaceto und dem Parco Regionale delle Dune Costiere, die sich zwischen Torre Canne und Torre San Leonardo erstrecken. Wer lieber Felsstrände mit reicher Flora und Fauna mag, fährt in Richtung Savelletri und Egnazia.

 

Vorsicht für alle, die mit der Bahn reisen: der Bahnhof von Ostuni liegt ca. 3 km Kilometer unterhalb der Stadt, was in der Sommerhitze ein weiter Weg sein kann.

 

Vom 25 - 27. August findet jährlich zu Ehren von Sant Oronzo das Patronatsfest mit einem Reiterumzug statt.

 

 


Andere weiße Städte

Martina Franca

Wie Lecce ist Martina Franca vom Barock geprägt. Es liegt im Itriatal und sieht ein bißchen aus wie aus einer Italienwerbung.

Locorotondo

Auf den ersten Blick eher unscheinbar, wird Locorotondo aber regelmäßig auf der Liste der schönsten Dörfer Italiens geführt.