Sehenswerte Orte, Strände, Landschaften

Lange Zeit wurde Apulien vom internationalen Tourismus links liegen gelassen. Apulien? Wo liegt das überhaupt? Apulien liegt im äußersten Südosten Italiens und bildet sozusagen den Stiefelabsatz. Man könnte auch sagen, es liegt in einem der hintersten Winkel Italiens. Die Römer nannten es finis terrae, Ende der Welt.

 

Ende der 90er Jahren wurde der Salento, der südlichste Teil Apuliens, aufgrund seiner geografischen Abgelegenheit, seiner traumhaften Strände und seiner einzigartigen Kulturlandschaft zum Rückzugsort der italienischen Linken, des sogenannten radical chic. Aber erst als die Billigfluglinie ryanair begann Bari anzufliegen, entdeckten auch Gäste aus den übrigen Teilen Europas Apulien.

Und weil manche Orte in Apulien so unwirklich schön sind wie eine Filmkulisse, wurde die Region auch beliebt als Drehort für diverse Filme oder fast ebenso aufwendig inszenierte Hochzeiten. Vips und indische Multimillionäre benutzten Apulien als romantische Kulisse für ihre Trauungen, für die sogar Elefanten eingeflogen wurden.

 

Echt oder nur Kulisse?
Echt oder nur Kulisse?

 

Von Massentourismus und Bauboom im großen Stil ist der Stiefelabsatz bisher verschont geblieben. Stattdessen investierte der von 2005 bis 2015 regierende Präsident Apuliens Nichi Vendola in Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus. Allerdings boomt der Tourismus im Vergleich zu anderen Regionen Italiens. Bed & Breakfasts schießen in so mancher Altstadt wie Pilze aus dem Boden.

 

Sehenswerte Orte: die Highlights

 

Sehenswert sind vor allem die Altstädte, die meist gut erhalten und sehr gepflegt sind. Orte, die ihr in jedem Apulien-Reiseführer finden werdet, sind Alberobello , das geheimnsvolle Castel del Monte und Matera, eine der ältesten Städte der Welt.  Alle drei sind Unesco- Weltkulturerbe.

 

Matera

Matera

Das Itriatal: Martina Franca, Locorotondo, Ostuni

 

Apulien ist die flachste Region Italiens und Wälder sind in Apulien eher selten. Stattdessen findet ihr z.B. im hügeligen Itriatal eine einzigartige Kulturlandschaft, die insbesondere für den Agrotourismus ( Ferien auf dem Bauernhof) geeignet ist. Auch bei bei Kulturreisenden ist das Valle d ´Itria beliebt aufgrund der hübschen Städtchen Martina Franca (die barocke Stadt), Locorotondo (eines der hübschesten Dörfer Apuliens) oder Ostuni (die weiße Stadt). Das Itriatal wird auch Tal der Trulli genannt. Die Hauptstadt der Trulli ist Alberobello. Sehenswert aber etwas überlaufen.

 

Städte: Bari, Trani, Lecce, Taranto

 

Die Provinzhauptstadt Bari ist eine wichtige Handels- und Hafenstadt. Die Altstadt,  die Basilica San Nicola, in der die Reliquien des hl. Nikolaus ruhen und der Lungomare sind sehr sehenswert. Auch in Trani könnt ihr nicht nur einen wunderschönen Hafen, sondern auch eine der schönsten Kathedralen Italiens bewundern.

 

Bari

Trani

 

Im Salento im Süden Apuliens liegt die Barockstadt Lecce. Sie gilt inoffiziell als das kulturelle Zentrum Apuliens ( lasst das niemanden aus Bari hören, denn zwischen Bari und Lecce gibt es ähnliche Konkurrenz wie zwischen Köln und Düsseldorf). Lecce liegt nicht direkt am Meer. Es wird  auch Florenz des Südens genannt und ist für Barock-Liebhaber ein absolutes Muss.

 

Lecce

 

Ganz anders dagegen Taranto (Tarent), das legendäre Taras der Griechen. Leider ist die Stadt durch den Umweltskandal im Zusammenhang mit dem Stahlwerk Ilva zu trauriger Berühmtheit gelangt. Die halbverfallene Altstadt von Taranto hat aber den Charme, den Berlin in den 90er Jahren hatte: ein bißchen anarchisch, voller Poesie und Streetart. Taranto ist auch bekannt für die Prozessionen, die während der Karwoche stattfinden. Ansonsten verirren sich Touristen noch eher selten hierher.

 

Taranto ( Tarent )

Landschaften

 

Landschaftlich geprägt ist fast ganz Apulien von über 80 Millionen Olivenbäumen, die der Region vielerorts einen fast mystischen Charakter verleihen. Manche dieser knorrigen Riesen sind mehrere hundert Jahre alt. Allein wegen dieser Bäume ist Apulien für mich schon eine Reise wert.

 

Gargano, Murgia, Gravine

 

Landschaftlich geschützte Flächen nehmen insgesamt sieben Prozent der Fläche Apuliens ein, darunter zwei Nationalparks, zwei Regionalparks und drei Meeresschutzgebiete. Bewaldet und gebirgig ist das Kalkvorgebirge der nördlichen Halbinsel Gargano, wo es eine sehr artenreiche Flora gibt: 60 Orchideenarten, Eichen, Buchen und Linden. Im Gargano Nationalpark befinden sich mehrere Landschaftsschutzgebiete, von denen die Foresta Umbra das bekannteste und ein beliebtes Wandergebiet ist.

 

Foresta Umbra im Gargano

Die Murgia
Die Murgia

 

Der Nationalpark Alta Murgia erstreckt sich von den Ausläufern des Apennin entlang der Grenze zu Basilikata Richtung Golf von Tarent. In dieser steppenartigen Landschaft findet man noch Reste einer uralten Hirtenkultur (tratturi), die für Apulien so typischen Masserien ( Gutshöfe), Burgen und Grottenkirchen. Die Murgia selbst ist die größte Karstebene Italiens. Die sogenannte Premurgia, die zur Adria abfällt, ist bewachsen mit Weinreben, Mandel- und Olivenbäumen, die bis zu 700 m hohe Alta Murgia ist dagegen bis auf Felsen und Felder fast kahl.

 

Tiefe, canyonartige Schluchten öffnen sich rund um Matera, Massafra, Laterza und Mottola an der Grenze zur Region Basilikata und im Naturschutzgebiet Gravine dell`Arco Ionico. Auch diese Gegend ist gut geeignet für Wanderurlaub und in der Nähe von Laterza gibt es ein Vogelschutzgebiet. Sehr sehenswert sind hier außerdem die Höhlenkirchen, die sich von Matera, Massafra und Mottola aus besichtigen lassen.

 

bei Matera
bei Matera

Strände und Küstenorte

 

Last but not least: natürlich kommen die meisten Touristen wegen der wundervollen Strände nach Apulien.  Im südlichen Teil, dem Salento, locken flache Sandstrände, die an die Karibik erinnern. Gallipoli, Otranto und Santa Maria di Leuca sind hier die beliebtesten Küstenorte.

Auf der nördlichen Halbinsel Gargano wechseln dagegen felsige Steilküste und lange Sandstrände ab. Peschici und Vieste sind hier sehenswerte Städte am Meer. Fotos von Vieste zieren viele Cover von Apulienreiseführern. Die Steilküste rundherum ist wirklich spektakulär und empfehlenswert ist ein Bootsausflug von Vieste Richtung Manfredonia. Ich persönlich finde, dass Poligano deutlich mehr Atmosphäre hat. An der Adria zwischen Gargano und Salento ist die Küste abwechslungsreich: kleine Sandbuchten wechseln mit Felsstrand ab. Eines der beliebtesten Ausflugsziele auch für Italiener ist Polignano a Mare, das wie Vieste auf hohe Klippen gebaut ist.

 

 

Ausführlichere Informationen zu Vieste, Polignano und den schönsten Stränden Apuliens findet ihr in dem Artikel Strand, Küste, Meer, der mit Abstand der beliebteste Artikel auf diesem Blog ist. Fast bin ich geneigt zu sagen "leider", denn Apulien hat soviel mehr zu bieten, obwohl ich die meiste Zeit auch am liebsten am Strand verbringe. Informationen zu Sehenswürdigkeiten der einzelnen Orte findet ihr in den jeweiligen Artikeln.

 

Nachdem ihr jetzt einen ersten Eindruck von Apulien bekommen habt - noch ein kleiner Tipp: Selber entdecken und  off- road zu reisen macht viel mehr Spaß. Hätte ich mich immer nur nach den Empfehlungen anderer gerichtet, hätte ich z.B. Taranto sicher nicht entdeckt. Und ich bin mir sicher, da gibt es noch viel mehr versteckte Orte...vor allem aber die kulturelle Vielfalt und eine andere Lebensweise zu entdecken.

Manche Leute sollen nur wegen des besonderen Lichts nach Apulien kommen. Das ist schwer nachzuvollziehen, wenn man es nicht wirklich gesehen hat und ich weiß nicht, ob die Fotos das vermitteln können. Hier  > meine persönlichen Lieblinsfotos in s/w.

 

Das Meer und Apulien ist ein Non-Profit-Blog, der sich für den Erhalt der Kultur Apuliens einsetzt. Er ist der Idee des  -> mediterranen Denkens gewidmet.