Polignano a Mare

Südlich des Gargano ist Polignano a Mare der einzige Ort an der Adria, dessen Altstadt auf einer Steilküste errichtet ist. Diese geografische Lage macht es nicht nur zu einem beliebten Ausflugs- und Drehort für Filme, sondern inspiriert auch viele Künstler. Buchten und Grotten laden zum Tauchen, Angeln und zu Bootstouren ein.

Polignano a mare - Denkmal Domenico Modugno
Polignano a Mare - Denkmal Domenico Modugno

Mit ausgebreiteten Armen steht er da, als würde er gleich abheben - Domenico Modugno - Sänger des Welthits " Volare" ( Fliegen), geboren in Polignano. Vielleicht hat tatsächlich niemand die Leichtigkeit eines Sommertages in Polignano besser beschrieben als Modugno in diesem Lied:

 

Fliegen.... Singen.... in Blau gemaltes Blau,

glücklich,

da oben zu sein,

Und ich flog, flog glücklich höher in die Sonne

als die Welt langsam weit unten verschwand spielte eine sanfte Musik nur für mich.

 

Wegen seiner sensationellen Lage war Polignano a Mare eines der wenigen Reiseziele in Apulien, die schon vor mehr als 30 Jahren in einem deutschen Reiseführer erwähnt wurden. An historischen Monumenten hat die kleine, hübsche Altstadt von Polignano zwar eher wenig zu bieten. Aber es sind nicht die Kunstschätze oder Historie, die Besucher, Fotografen und Filmteams nach Polignano ziehen. Es sind die Buchten, die über 20 Meter hohen, steil abfallenden Felsen, die Grotten, das Zusammenspiel von rauhem, archaischem Stein und den fast zarten, weiß getünchten, würfelförmigen Häusern, die Polignano ausmachen.

 

Ende der 80er Jahre war Apulien eine der ärmsten Regionen Italiens und es gab fast keine Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen. Polignano war damals eine Ausnahme: es hatte mehrere passable Hotels und die Altstadt Polignanos zeigte zusammen mit der Altstadt von Bari ein gesundes, ungebrochenes Leben. Die Altstädte und Monumente von Molfetta, Bisceglie, Giovinazzo, Gravina und Monopoli dagegen erinnerten zwar an einstigen Reichtum, waren aber entvölkert und verfielen.

 

In den letzten Jahren hat Polignano nochmal einen kleinen Boom erlebt. 2015 wurde in Polignano ein Yachthafen eröffnet, einmal im Jahr finden in der Lama Monachile die Cliff Diving Wettbewerbe ( Kunstspringen von einer hohen Klippe ) statt und entlang der Küste entstehen einige neue Appartementhäuser.

 

Lama Monachile

Lama Monachile, Winter 2019
Lama Monachile, Winter 2019

 

In der Lama Monachile befand sich früher der alte Hafen von Polignano. Die berühmteste Höhle, die Grotta Palazzese, mit grünblauer Färbung war damals noch öffentlich über einen Fussweg zu erreichen, heute ist sie leider nur noch Gästen des Hotels oder Restaurants Grottapalazzese zugänglich. Wer genug Kleingeld hat, kann in der Grotte dinieren. In der Altstadt gibt es vereinzelte Panoramaterassen, die sich zum Meer hin öffnen. Die besten Aussicht auf die Altstadt hat man aber oberhalb der Lama Monachile ( eine Bucht in der man auch baden kann), unterhalb des Monuments für Domenico Modugno oder am anderen Ende von Polignano nahe der Grotta Ardito delle Caldaie.

 

Blick von unterhalb des Monuments Domenico Modugno
Blick von unterhalb des Monuments Domenico Modugno

Die Altstadt von Polignano

Auch wenn Polignano a Mare nicht meine Lieblingsstadt in Apulien ist, habe ich auf 9 meiner 12 Apulienreisen von 2014 - 2019 einen Ausflug hierher gemacht. Obwohl die Anzahl an Besuchern, Cocktailbars, Souvenirläden und Bed & Breakfast zugenommen hat, hat die Altstadt ihren ursprünglichen Charme noch nicht ganz eingebüßt. Noch immer sitzen Einheimische plaudernd auf Bänken, wie vor dem Festkomittee San Vito.

 

Piazza Vittorio Emanule, Eingang zum Büro des Festkomittees San Vito Martire
Piazza Vittorio Emanule, Eingang zum Büro des Festkomittees San Vito Martire
Polignano, Piazza Vittorio Emanuele
Polignano, Piazza Vittorio Emanuele

 

Die Chiesa Madre (1205 geweiht, danach mehrmals umgebaut, hier leider nicht im Bild) an der Piazza Vittorio Emanuele ist von außen ziemlich unscheinbar. In der Kapelle der Kirche, die auch Santa Maria Assunta genannt wird, sind eine berühmte Steinkrippe, eine Muttergottes mit Kind und die Pietà alle von Stefano di Putigano ( ein Bildhauer der Renaissance ) zu besichtigen, sowie ein Polyptychon von Bartolomeo Vivarini (1472) mit fünf Tafeln über den Schutzheiligen von Polignano, San Vito Martyrio. An historisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten oder Bauten ist das alles.

 

Noch immer gibt es ruhige Gassen und Zeiten in denen die Altsstadt fast menschenleer ist. Man muss ja nicht gerade am Wochenende nach Polignao kommen, denn schon in der Vorsaison ist die kleine Altstadt dann schnell überlaufen. Wer es ruhiger mag, kommt um die Mittagszeit. Dann sind zwar die Geschäfte geschlossen, aber die Gassen auch leerer, denn die meisten Orte in Süditalien fallen von 13.00 bis 17.00 wegen der Hitze in eine Art Dornröschenschlaf. Abends sind die Orte dann um so lebhafter und zwar bis lange nach 22.00 uhr.

 

Poesie und Kunst

2015 war Polignano noch wie eine kleine Freiluftgalerie für Poeten. Folgende Verse  habe ich an Türen, Mauern und Wände gefunden. Ihr könnt ja mal suchen, ob sie noch da sind oder neue dazu gekommen sind.

 

 

Emily Dickinson: "Liebe ist Leben und das Leben stirbt nie."

Unbekannt: "Am Ende des Tages fordere ich das Meer heraus und frage, wer tiefer ist."

Mark Twain: "Dieser Ort wurde vor dem Paradies erschaffen."

Walter Benjamin: " Es gibt nichts Epischeres als das Meer."

.....

 

In der Via Conversano ( außerhalb der Altstadt ) gibt es zwei Galerien: Peppino Campanella Lichtobjekte in der via conversano, 9.  Der Künstler und Designer fertigt aus Glas Lampen und andere Designgegenstände an. Sein Atelier nahe der Lama Monachile ist gleichzeitig Ausstellungsort für Künstler wie Hermann Mejer,  Simone Bellotti, Giuseppe Teofilo, Niki Carmosino und Tony Prayer. Direkt gegenüber liegt die  Vento blu art gallery, (via conversano 14), eine kleine Galerie mit wechselnden Ausstellungen.

 

Exchiesetta
Exchiesetta

 

Exchiesetta ist eine kleine Kapelle im Herzen von Polignano a Mare. Seit 2012 bietet die Kapelle jungen und internationalen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke in ihrem einzigartigen Raum auszustellen und zu fördern. ( Via Porto,66 )

 

-> Museo Pino Pascali: eines der besten Museen Italiens für zeitgenössische Kunst. Es ist dem aus Bari stammenden Arte-Povera Künstler Pino Pascali gewidmet. Pascali war ein Arte-Povera Künstler und einer der wichtigsten Vertreter italienischer und internationaler Kunst der 1960er Jahre. Polignano a Mare hat ihm ein Museum gewidmet, das nach seiner Idee eines Traumhauses gebaut ist und direkt am Meer liegt. (Via Parco del Lauro, 119 ) -> Homepage

 

-> Webseite mit Galerien in Polignano

 

Baden: Cala Paura und Cala Paguro

 

Wem es beim Stadtbummel zu heiß wird, kann baden in der Lama Monachile, der Cala Paura, wo es auch eine nette Strandbar gibt oder in der Cala Paguro, wo noch ein paar Fischerboote schaukeln. Im Sommer wird es in diesen Buchten aber schnell eng.

 

Blich auf die Cala Paura von der benachbarten Cala Paguro
Blich auf die Cala Paura von der benachbarten Cala Paguro

Eis, Cafe, Streetfood

 

Was man sich in Polignano nicht entgehen lassen solltet, ist der Besuch einer der besten Eisdielen Apuliens "Il super mago di gelo". Die Eisdiele liegt genau gegenüber dem Altsstadttor. Ihr könnt euch also vor oder nach dem Altsstadtbummel hier stärken. Auch wer kein Eis mag -  probieren solltet ihr den "caffè speciale" (das Rezept ist ein Geheimnis, aber es schmeckt nach Cafe mit Zitrone und Sahne).

 

 

Für Fischliebhaber gibt es die Pescaria "Pescatori in Cucina" in der Nähe der Piazza Aldo Moro. Auf der Speisekarte stehen Gerichte mit rohem oder frittiertem Fisch und Meeresfrüchten, aber auch Panini, Salate und Pasta - alles zu einigermaßen erschwinglichen Preisen. Ich musste wegen des großen Andrangs an einem Samstag Abend mindestens eine halbe Stunde anstehen bis ich meine Bestellung aufgeben konnte und dann nochmal 15 Minuten warten bis das Sandwich mit Tunfischtartar fertig war.  Inzwischen hat die "Pescatori in Cucina" Filialen in Mailand und Turin. -> Speisekarte. Ich kann das vor allem empfehlen, wenn ihr frischen Fisch essen, aber kein teures Restaurant besuchen wollt.

 

La Focacceria di Delle Noci Marco: Eine unscheinbare, aber gute und sehr preiswerte Focacceria in der Via San Vito unweit der Altstadt.

 

Alternativ zur Pescaria gibt es auf dem Parkplatz am südlichen Ende der Altstadt von Polignano eine kleine Fischbude, wo der Fisch bestimmt genauso frisch und vielleicht sogar billiger ist. Die Aussicht auf die Altstadt und das Meer jedenfalls ist auch von hier aus spektakulär.

 

Feste und Veranstaltungen

 

Die Lama Monachile in Polignano ist ein Standort der  "Red Bull Klippenspringwettkämpfe", die seit 2009 stattfinden.  Wie beim Wasserspringen gilt es möglichst schwierige Figuren in der Luft zu zeigen, bevor anschließend möglichst spritzerlos eingetaucht wird. 2020 finden sie am 19. Juli in Polignano statt.-> red bull cliff diving 2020

 

Polignano hat außerdem viele Feste, die einen religiösen Ursprung haben. Hier eine kleine Auswahl:

 

Karwoche / Settimana Santa: Osterprozessionen von Karfreitag bis Ostermontag

2. Maiwochenende Festa dell`Aquilone: Frühlingsfest, bei dem bunte Drachen in die Luft gelassen werden.

14. -16. Juni: Festa di S. Vito Martire: Fest des Schutzpatrons von Polignano, dem heiligen Vitus oder Veit. Am Abend des 14. Juni wird der "Braccio", eine Reliquie des Heiligen Vitus, vom Kloster aus mit einer Meeresprozession nach Polignano begleitet mit Illuminationen und großem Feuerwerk zum Abschluss.

15-16-17 Juli: Festa della Madonna del Carmine: Prozession der Jungfrau Maria, Musik, Illumination, Feuerwerk.

Zweites Augustwochenende: Festa dei Santi Cosma e Damiano Prozession der Heiligenstatuen,  Musik, Illumination, Feuerwerk.

 

Eine ausführlichere Liste findet ihr auf der italienischen -> Wikipedia zu Polignano a Mare unter dem Punkt Manifestazioni religiose.

Die Abtei San Vito und Madonna di Grottole

 

San Vito: Etwa 3 km nördlich von Polignano liegt die Abtei des Märtyrers San Vito. Sie wurde im 10. Jahrhundert von Benediktinern entworfen. Seit dem 16. Jahrhundert war die Abtei die Residenz der Minoriten der Heiligen Apostel und wurde 1785 Teil des königlichen Besitzes. Im Jahr 1866 verkaufte der Staat die Abtei an den Grafen La Greca, dem sie bis heute gehört. Die Abtei hat einen unregelmäßigen viereckigen Grundriss mit einem riesigen Portikus an der Hauptfassade, der von Loggien mit Rundbögen gekennzeichnet ist. Das Querschiff wird von einer kleinen runden Kuppel überragt. Der Glockenturm ist ein fein gearbeiteter Turm im Lecce-Barock. Der Portikus der Fassade im Inneren überblickt einen kleinen Kreuzgang mit einem Brunnen.

Camping: In der Nähe der Abtei San Vito an der Hauptstrasse in Richtung Bari liegt der Campingplatz Adriatic Club S.R.L. ( Strada Statale, 16)

 

Madonna di Grottole:


Die archäologische Siedlung Madonna di Grottole liegt etwa 3 km von San Vito entfernt und ist eine der ältesten archäologischen Stätten der Gegend. Zu erreichen ist sie von San Vito über die alte Provinzstraße Polignano-Conversano. Es handelt sich um einen Kalksteinrücken mit 62 Höhlen unterschiedlicher Größe, die seit prähistorischen Zeiten von Menschen bewohnt waren. Das Gebiet ist bewachsen mit Oliven-, Mandel- und Obstbäumen. Es gibt auch eine kleine Kirche, die der Santa Maria della Consolazione gewidmet ist und Teil eines alten Augustinerklosters ist. (Ob der Ort frei zugänglich ist, konnte ich nicht herausfinden.)
 

Schwimmen und tauchen: Die Küste und die Strände rund um Polignano sind felsig, voller Buchten und Grotten. Sie  eignen sich zum Tauchen, Angeln und für Bootstouren. Hier eine kleine Auswahl der an die 40 Buchten und Grotten: Cala Ponte, Grotta Santa Caterina, Grotta Chiari di Luna, Grotta delle Rondinelle, Cala Paura Grottone, Grotta Azzurra, Grotta Piana, Bastione Santo Stefano, Grotta Arcivescovado, Grotta Favale, Grotta S. Pietro e Paolo, Grotta Ardito, Colonna d’ Ercole, Grotta delle monache, Grotta San Gennaro, Grotta della Colonna, Scoglio dell’eremita, Portalga, Caverna dei Colombi, Grotta cappella di Cristo e Grotta di Sella.

 

Eine Webseite mit Angeboten für Exkursionen und Touren zu den Grotten und anderen Zielen in der Umgebung -> polignanoamare.eu

 

Webseite mit Informationen zur Geschichte, zu Festen und Versnastaltungen -> proLocoPolignano

 

 

Mein Lieblingsbild von Polignano: ein analoges, etwas verwackeltes, unscharfes Foto, das ich im letzten Jahr gemacht habe. Es lässt ahnen, dass Polignano von hier aus gesehen vor 30 oder 100 ? Jahren wahrscheinlich nicht viel anders aussah.

 

 

 

Ein riesen Dankeschön an meinen Tourguide von ->inpuglia, ohne den ich so manches nicht entdeckt hätte !!