Bari: Apuliens Hauptstadt im Wandel


 

Ihren eigentümlichen Reiz bezieht die Hauptstadt Apuliens aus dem Nebeneinander von mittelalterlicher Altstadt und moderner Neustadt. Sowie einer Spur Melancholie an der Hafenmauer.

 

Die Hafenmauer von Bari in der Abenddämmerung. Ein Ort des Abschieds, der Wiederkehr, des Fernwehs, ein Treffpunkt für Liebespärchen, über und über bedeckt von Liebeserklärungen. Für mich ist Bari an diesem Winterabend ein melancholischer Ort, auch wenn eine der Romanfiguren von Gianrico Carofiglio behauptet, es sei eine Stadt ohne Melancholie.

 



Bari ändert sich, die Traditionen bleiben

 

Diese Fotos entstanden in der Nähe des Madonella Viertels am alten Hafen von Bari, der Grenze zwischen der modernen Neustadt und der mittelalterlichen Altstadt. Es ist eines der Lieblingsviertel von Gianrico Carofiglio, ehemaliger Staatsanwalt in Foggia, Berater in der Antimafia-Kommission und erfolgreicher Krimiautor. In seinem Roman "Eine Nacht in Bari" beschreibt er die Verwandlung Baris von einem dunklen, furchteinflößenden Ort zu einer modernen, weltoffenen Stadt. Viele Jahre konnte sich Carofiglio in seiner Heimatstadt Bari nicht ohne Polizeischutz bewegen, heute hat Apulien die Lage wesentlich besser im Griff.

 

Mit 330.000 Einwohnern ist die Hauptstadt Apuliens nach Neapel die zweitgrößte Stadt Süditaliens. In der Antike galt die Hafenstadt bereits als Tor zum Orient und heute ist der Hafen eine der wichtigsten Verbindungen von Ost nach West. Die Neustadt entstand Ende des 19. Jahrhunderts und ist in schachbrettförmigen Straßen und Häuserblocks angelegt, die an manchen Ecken ein bißchen an Paris erinnern. Zu den Prachtstraßen gehört neben dem Corso Vittorio Emanuele II der Corso Cavour, an dem auch das Petrozelli Theater liegt, eines der größten Theater Italiens.

 

Bari besitzt eine der längsten Seepromenaden (lungomare) Europas, gesäumt von einigen protzigen Bauten, die in der Ära Mussolinis entstanden.

 


Die Altstadt: Bari vecchia

 

Vor einigen Jahren wurde in manchen Reiseführern wegen der hohen Kriminalität noch vor einem Gassenbummel durch die Altstadt Baris gewarnt. Heute ist das nicht mehr so, allerdings ist die Altstadt groß genug, um sich darin zu verlaufen, wenn man keine gute Karte oder einen Führer hat. Ich habe mal verzweifelt nach einem Hostel in der Altstadt gesucht und schließlich aufgegeben. Im Tourismusbüro direkt gegenüber vom Hauptbahnhof gab man mir einen Stadtplan, zeigte auf den nördlichen Bereich der citta vecchia mit der Bemerkung: "Hier irgendwo muss es sein." Strassennamen Fehlanzeige.

 


 

Dieses Video von Nicola Amato wirft einen modernen Blick auf Bari, in dem Traditionen wie das Fest zu Ehren des Schutzheiligen, San Nicola, aber noch sehr lebendig sind.

Der heilige Nikolaus ist in Bari begraben


Eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen der Stadt ist die Basilica San Nicola mit den Reliquien des heiligen Nikolaus. Als Bari im 10. Jahrhundert drohte an Prestige zu verlieren, entführten Seeleute die sterblichen Überreste des Bischofs von Myra, Nikolaus von Myra, und brachten ihn nach Bari. Ihm zu Ehren wurde die Basilika gebaut und Bari zu einer bedeutenden Pilgerstadt. Den Raub bezeichneten die Seeleute als eine "von Gott inspirierte Reise" und gaben zu bedenken, dass Gott es nicht erlaubt hätte, den Nikolaus nach Bari zu bringen, wenn er dagegen gewesen wäre.

 

Das Fest zu Ehren des Nikolaus ist nicht am 6. Dezember, sondern vom 7-9. Mai, dem Tag, an dem er nach Bari gebracht wurde. Unter den Fischern aus Bari wird jedes Jahr versteigert, wer die Ehre hat, mit der Statue des hl. Nikolaus eine Nacht auf das Meer zu fahren. Am nächsten Tag wird die Statue wieder zurück in die Basilikata gebracht. Die ganze Stadt ist mit aufwendigen Lichtinstallationen geschmückt, an den Abenden finden Feuerwerke statt. An diesen Tagen befindet sich Bari quasi im Ausnahmezustand und in ungeraden Jahren schickt sogar das italienische Militär eine Fliegerstaffel zur Unterstützung der Feierlichkeiten.

 

Die -> kirchliche Tradition der Patronatsfeste ist in Apulien sehr lebendig. Jeder Ort hat einen oder mehrere Schutzheilige, die mindestens einmal im Jahr groß gefeiert werden. Feste feiern und Katholizismus gehören unbedingt zusammen.

 

Je weiter man sich Lecce und dem Salento nähert, desto häufiger sieht man auf Mauern mit Inschriften wie "Ich hasse Bari" (odio Bari). In erster Linie ist das wohl ein Ausdruck von Lokalpatriotismus der Fussballfans. Darüber hinaus ist im Süden mancherorts ein gewisses Misstrauen gegenüber den Barese zu spüren, die vor allem als Geschäftsleute wahrgenommen werden, während sich Lecce als Kulturhauptstadt rühmt. Umgekehrt sagen manche Einwohner Baris die Höflichkeit der Lecceser sei aufgesetzt und falsch.

 

Tipps für Bari


 

Am anderen Ende des lungomare, also im Süden, befindet sich der Strand "Pane e Pomodore". Da von 13.00 -17.00 uhr siesta ist und viele Geschäfte geschlossen sind, kann man sich hier herrlich entspannen, bevor man gegen Abend die quirlige Altstadt ansteuert.

 

-> Ausgeh-tipps, Restaurants ect. von der Seite ItalyEurope

-> Tipps für Streetfood in Bari von Italien und Ich

-> Pizzeria "Pazzeria Dregher" (pazzo heißt verrückt). Hier wird zu italienischen Liedern aus den 50er und 60er Jahren gesungen und getanzt. Das ist wirklich italienische Lebensfreude pur.

-> falls ihr Italienisch könnt findet, ihr auf der Webseite "Bariinedita" sehr viele Informationen über Veranstaltungen, Kunst, Aktuelles, kleine und große Geschichten über Bari (aber auch Berichte aus ganz Apulien). Hier z.B. eine kurze Erzählung von Pasolini über Bari...

 

Aufschlussreicher als so mancher Reise- oder Kulturführer sind die Bücher von Gianrico Carofiglio, wenn man etwas über die Lebensart des Südens und die Liebe zu seiner Geburtsstadt erfahren möchte.

"Eine Nacht in Bari" handelt von drei Jugendfreunden, die sich nach 20 Jahren in ihrer Heimatstadt Bari wiedertreffen. Bei einem nächtlichen Sparziergang durch Strassen und Gassen der Stadt flammen Erinnerungen und Sehnsüchte nach alten Zeiten wieder auf.

 

 

 


Festa di San Nicola

Mehr über das Fest zu Ehren des Schutzheiligen San Nicola, der bei uns  als "der Nikolaus" bekannt ist und dessen Reliquien von Seefahrern nach Bari entführt wurden