Das Meer und Apulien ist ein Non-Profit-Reiseblog, der Brücken zwischen der Kultur des Südens und des Nordens bauen möchte. Er ist vom mediterranen Denken inspiriert.

Land und Leute oder Wozu Kultur?

Die Welt mit anderen Augen sehen? Das passiert nur, wenn ich die Welt aus den Augen Anderer betrachte. Ich will hier nichts beschönigen: das kann eine bereichernde aber auch eine schmerzhafte Erfahrung sein.

Über den Süden wird oft gesagt, er befinde sich zwischen Antike und Moderne. Auch in Apulien finden sich noch Reste antiker Kultur im Alltagsleben ( nicht nur in Museen). Meine Prognose ist: das wird leider bald verschwinden. " Besuchen Sie den Süden, solange er noch steht."

 

Antike Kultur

 

 

 

Antike Kultur meinte immer Kultur von etwas. Agrikultur bedeutete kultivierender Umgang von Land und Boden. Cultura animi war der übende Umgang von Geistesfähigkeiten (Philosophie). Cultura dolorum war eine Kultur der Schmerzen, des Leidens, der Erlösung (christlicher Glaube). Ganz allgemein gesprochen könnte man sagen „Kultur“ bedeutete so viel wie ein pflegender Umgang mit etwas, von dem der Mensch hofft, dass es wächst, wissend,dass er nicht alle Faktoren kontrollieren kann. Weder kann er das Wetter beeinflussen noch den Willen Gottes. Daher beinhaltete Kultur Akte der Verehrung, des Bittens, Beten und Hoffens. Der Kulturarbeiter der Antike war vor allem der Priester, der dem Menschen klarmachte, wie wenig er sein Schicksal in der Hand hat und wie trickreich er es einrichten muss, wenn er es mit den Göttern zu tun bekommt.

 

Moderne Kultur

 

 

 

Im 17. Jahrhundert verliert die Kultur ihren Genitiv und wird zu etwas Eigenständigem. Kultur wird gleich Zivilisation, in der der Mensch nicht mehr an die Notwendigkeiten der Natur gebunden ist, sondern sein Schicksal selbst in der Hand hat. Wichtig für den modernen Kulturbegriff ist der Vergleich der Lebensumstände: zwischen den Menschen, zwischen verschiedenen Regionen, aber auch historisch. Der moderne Mensch stellt sich Fragen wie: Wer ist glücklicher? Der Naturmensch oder der Kulturmensch? Was wurde im Vergleich zu früher gewonnen, was verloren? Der Kulturarbeiter ist jetzt der Intellektuelle. Wenn das Risiko beim Vergleich zu verlieren hoch ist, wenn es um Identitätsbehauptung geht, dann ist die Nation die geeignete Bewaffnung der Kultur für die Zwecke des Vergleichs.

 

 

 

Postmoderne Kultur

 

 

 

Die postmoderne Kultur ist eine Kultur der Irritation, der es aber um Korrektur geht. Sie wird oft auf den Nenner Beliebigkeitserfahrung gebracht, nach dem Motto: alles ist möglich, aber es ändert sich nichts an den Verhältnissen. Der Kulturarbeiter wird zum Spieler oder Programmierer. Er misstraut allem und jedem, überall wittert er ein Medium, das die Möglichkeiten der Kommunikation festgelegt hat. Jedem Sinn wird misstraut, jede Wahrheit hinterfragt. Überall bricht der Glaube an Objektivität und Rationalität zusammen, stattdessen werden Mythologien, Narration, Bilder gepflegt. Prognose: Kulturarbeit wird wenig mit Kulturen der Verehrung, wenig mit Riten der Kritik, sondern mit Kampf um die Kontrolle der Codes zu tun haben.

 

  (zusammengefasst  aus einem Text von Dirk Baecker: Wozu Kultur, 2001)

 


Eine Auswahl an Artikeln über Land und Leute

Apulien für Anfänger

 

"Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass die Italiener alle aussehen, als hätten sie gerade Sex gehabt?" so schildert Michael Moore seinen ersten Eindruck von Italien in dem Film "Where to invade next."

Über das Leben mit allen Sinnen, katholische Kommunisten und andere Klischees.  mehr

 


Von Menschen und Bäumen

 

 

Olivenbäume sind das Wahrzeichen Apuliens und jahrhunderte alte Zeugen einer Geschichte von Invasionen, die auch zur kulturellen Vielfalt und Toleranz in Apulien beigetragen haben .
Die Städte und Dörfer sind ein Spiegelbild des multikulturellen Gemischs, das im Laufe der Jahrhunderte Apulien bevölkert hat.

mehr


Vier Wochen bei einem Bauern im Itriatal

 

Eine meiner anstrengendsten und schönsten Reisen nach Apulien. Anstrengend nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Kälte im März. Schön, weil ich soviel über Land und Leute aus erster Hand erfahren habe. mehr


Carovigno

 

Mit sechs Wochen mein bis dahin längster Aufenthalt in Apulien und der erste echte Kulturschock, denn ich bin plöztlich in einer Männerwelt gelandet und komme damit gar nicht klar.

Über Madonnen, Machos, Bummelstreik und Wahlkampf in Carovigno. mehr


Italien: die Wahl, die Moral, die Mafia, der Nord-Süd Konflikt

Fast immer ist der erste Kommentar zu Artikeln, die ich über das Mediterrane Denken bekomme: " Aber die Süditaliener sind doch alle so fromme Katholiken - das kannst du doch nicht gut finden. Und was ist mit der Mafia?"

Diesen Artikel habe ich vor den Wahlen am 4. März geschrieben. Da er sich aber auf die historischen Hintergründe konzentriert und um einen Perspektivwechsel bemüht, ist er immernoch sehr "aktuell." ...mehr