Reisen zu Land und Leuten

 

Nur wenige Menschen reisen heute noch mit dem Ziel, Land und Leute zu entdecken. Verständlich, weil es Zeit braucht und schwer zu organisieren ist. Erinnerungen an den Strand sind aber oft schnell vergessen, Erinnerungen an Menschen dagegen selten.

 

Nach meinem ersten Badeurlaub in Apulien war mir klar: ich will mehr über dieses Land wissen! Ich hab mir eine Auszeit genommen, um in der Landwirtschaft zu arbeiten und Italienisch zu lernen. Seitdem komme ich immer gerne wieder, mal mit dem Zelt, mal miete ich eine Ferienwohnung, mal mit Airbnb. Ich hätte Apulien nie so kennen und lieben gelernt, wenn die Apulier es mir nicht auf ihre Weise gezeigt hätten. Sie kennen die schönsten Plätze, besten Pizzerien und geheimsten Strände. Und sie haben mir das alles gezeigt mit einer Mischung aus Enthusiasmus, Stolz über die Schönheit des Landes und augenzwinkerndem Humor über die manchmal etwas chaotischen Zustände in Italien. Ganz nebenbei hab ich dabei nicht nur viel über Apulien gelernt, sondern auch über mich selbst.

 

In der Altstadt wohnen

 

Übernachtet ihr in einer der Altstädte, seid ihr irgendwie schon mitten drin. Ihr hört die Geräusche der Kirchturmglocken, spielende Kinder, vorbeifahrende Mopeds. Wirklich laut ist es selten, denn für Autoverkehr sind die Gassen zu eng. Allerdings kann es schon mal passieren, dass eine kleine Kapelle am Fenster vorbeizieht, die eine Prozession ankündigt oder abends auf der Piazza um die Ecke ein Konzert stattfindet.

Im Sommer wird in vielen Orten Apuliens ein riesiges Kulturprogramm angeboten: Konzerte, Festivals, Kino und das meiste davon ist umsonst. Mein erste Reise nach Apulien sah so aus: tagsüber zu Fuß an Strand, abends durch die Gassen schlendern und staunen, wie sich der verschlafene Ort in eine lebendige Flaniermeile verwandelt. Die perfekte Mischung aus Entspannung und ein bisschen dolce vita.

 

Lokale Reiseanbieter, unkonventionelle Reisekonzepte

 

Viele Apulier sind Lebenskünstler und zum Glück auch sehr kreativ, wenn es darum geht, unkonventionelle, alternative Reisekonzepte zu entwickeln. Der lokale Reiseanbieter inpuglia bietet individuelle Touren, um die Kultur, Traditionen, Sitten und Gebräuche Apuliens kennenzulernen. Die Touren können je nach Zeit, Interesse, Anzahl und Bedürfnissen der Teilnehmer angepasst werden. Man wählt einfach den Ort, den man sehen möchte, und das Essen, das man essen möchte. Übernachtet wird in alten Dörfern wie Conversano oder Adelfia, die vom Tourismus bisher kaum entdeckt sind. Adelfia ist ein Vorort von Bari, den man in keinem Reiseführer findet und sich deshalb viel Athmosphäre bewahrt hat. Es ist außerdem ein der idealer Ausgangspunkt, um Bari und die Provinz Terra di Bari zu erkunden. Ich selber habe mal einen 4-Tage Trip nach Adelfia gemacht: ich hab viel gesehen und es lief alles ganz spontan und ungezwungen.

 

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Ein ähnliches Konzept wie inpuglia verfolgt auch apulia slowtravel: maßgeschneiderte Touren für kleine Gruppen oder Alleinreisende mit unterschiedlichen Schwerpunkten wie Kultur und Geschichte, Wein, Essen, Sport und Natur. Bei der Unterkunft könnt ihr wählen zwischen luxuriöser Masseria, Trullo oder Ferienanlage. Bei apulia slow travel habe ich mal nachgefragt, wie sie ihre Reisephilosophie beschreiben würden. Hier Pietros Antwort:

 

„Durch unsere Erfahrung als Reiseleiter merken wir immer, dass was den Gästen am meisten gefällt, jenseits der Schönheiten des Landes, ist eben das Menschentreffen auf Augenhöhe. Wir sind uns bewusst, dass das Menschliche und eine menschlische Beziehung aufzubauen, das ist, was die Gäste meist mit nach Hause nehmen.“

 

Es gibt bestimmt noch viel mehr solcher kleinen, lokalen Reiseunternehmen, die zeigen, dass es Alternativen zu den üblichen Verdächtigen in der Reisebranche gibt.

 

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Airbnb: eine umstrittene Plattform für Individualtourismus

 

In Apulien habe ich mit Airbnb sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht: bei manchen ist von der ursprünglichen Idee - Gastgeber zeigen Gästen ein bißchen ihre Stadt - nichts übrig geblieben. Reisende, die daran gar nicht interessiert sind, können nach meiner Erfahrung genauso gut und manchmal sogar billiger über andere Portale die gleichen Wohnungen mieten. Über manche Wohnungs-Bewertung oder Top-Angebot bei Airbnb mußte ich mich im Nachhinein schon ein bißchen wundern.

 

Es gibt aber auch Gastgeber, die ihren Gästen zumindest mit Rat und Tat zur Seite stehen oder gerne ihre Stadt zeigen. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht und sehr geschätzt. Ich weiß aber nicht, ob Airbnb dafür der einzige und beste Anbieter ist. (Eine billige Alternative wäre couchsurfing, was mir persönlich wahrscheinlich zu eng wäre).

 

Ecobnb

 

->Ecobnb wirbt damit, einen Tourismus zu fördern, der Natur, Wirtschaft und die örtliche Gemeinschaft respektiert. Die Platform befindet sich scheinbar erst im Aufbau und ich habe sie gerade erst gefunden, und daher noch nicht näher damit beschäftigt ( kommt noch).