Tipps für Unterkunft, Bus, Bahn und Auto

 

Allgemeine Informationen zu Übernachtungsmöglichkeiten in alten Dörfern, Masserien, Trulli oder auf Campingplätzen.

 

Der Tourismus in Apulien boomt, obwohl viele Menschen in Deutschland wahrscheinlich noch nie von Apulien gehört haben. Weil die Region am Stiefelabsatz lange ein touristisches Schattendasein geführt hat, gibt es hier kaum größere Hotels und auch kaum Pauschalreiseangebote. Stattdessen hat die Regionalregierung Apuliens in den letzten Jahren den Ausbau von Bed & Breakfasts gefördert, von denen viele in den historischen Altstädten zu finden sind. Wer schon öfter nach Apulien gereist ist, wird sicher bemerkt haben, dass sich Orte wie Polignano a Mare oder Monopoli dadurch schnell verändern.

Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge: einerseits ist es schön, dass die Küste nicht mit Hotels zugebaut wird, andererseits verändert sich das Stadtbild und es besteht die Gefahr dass, Häuser zu Spekulationsobjekten werden.

Die Regierung Apuliens hat die Förderung von B&B jetzt eingestellt, stattdessen werden einheimische Touristguides gefördert und das ist für mich erstmal eine gute Nachricht, denn neben Erholung am Strand ist es der Kontakt zu Land und Leuten, der mir die schönsten Reiserlebnisse beschert hat.

 

Ferienwohnungen, Bed & Breakfast, airbnbn

Polignano a mare
Polignano a mare

 

Hinter der Idee von Airbnb stand ursprünglich die Idee,  Gäste  am Alltag teilnehmen zu lassen und ihnen Orte abseits der Touristenpfade zu zeigen. In Apulien habe ich damit sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht: in Orten, die noch nicht so überlaufen sind wie z.B. Taranto, geben sich die Gastgeber erfahrungsgemäß etwas offener und interessierter, aber sicher ist das nicht zu verallgemeinern.

Preislich unterscheidet sich Airbnb übrigens kaum von anderen Anbietern von Ferienwohnungen wie z.B. FeWo-direkt. Es ist auch nicht jedermanns Sache in einer fremden Privatwohnung zu wohnen. Je nach Inneneinrichtung hat man entweder das Gefühl authentischer Teilnahme oder aber man fremdelt auf unangenehme Weise. Ferienwohnungen sind in der Regel etwas neutraler eingerichtet und auf die Bedürfnisse von Gästen ausgerichtet. Aber wie gesagt, die Unterschiede sind oft gar nicht mehr so groß. Mein Tipp: wenn euch die Unterkunft wichtig ist, solltet ihr etwas Zeit investieren, Portale vergleichen, die Fotos genau angucken. (Wenn nur Fotos von der Umgebung statt von der Wohnung veröffentlicht sind, heißt das nicht unbedingt, dass die Wohnung nicht schön ist. Einige private Anbieter fühlen sich unwohl dabei,  Fotos der eigenen Wohnung zu veröffentlichen.)

 

Aus eigener Erfahrung kann ich empfehlen :

 

- den Palazzo Ulmo in Taranto ( Gastgeber sprechen deutsch und italienisch) Hier gehts zum -> Reisebericht Taranto.

 - MonsRoni B&B in Adelfia. Wer möchte kann eine Tour mit einheimischem Touristenfüherer dazubuchen. (Gastgeber spricht englisch und italienisch) -> Reisebericht Adelfia, Trani, Polignano.

 

 

Wahrscheinlich unter Airbnb gelitten hat  Borghi Autentici d’Italia (Authentische Dörfer Italiens) ein Verband, in dem sich Dörfer aus unterschiedlichen Regionen Italiens zusammengeschlossen haben. Ziel des Verbandes ist es,  historische Bausubstanz, kuturelle Identitäten und Traditionen zu bewahren. Touristen können hier in das Dorfleben eintauchen und zu Teilzeit-Einheimischen werden, wie Enit Italia schreibt. Zum Verband gehören auch die sogenannten Alberghi Diffusi (verstreute Hotels), die sich meist in den Altstädten kleinerer Orte befinden. Zimmer, Restaurant und Rezeption des "Hotels" sind im Dorf verstreut, sodass der Ort zum eigentlichen Hotel wird.


Urlaub in der Natur: der Agrotourismus

 

Agritourismus, wie es in Italien heißt, meint soviel wie Ferien auf dem Bauernhof und ist in Apulien sehr verbreitet. Die Urlauber erhalten hier Einblicke in den Alltag des Landlebens, werden mit regionalem Produkten oder hausgemachter Pasta verwöhnt und der Kontakt zu Tieren ist besonders für Familien mit Kindern reizvoll.

 

 

Masserien

 

Als Luxusvariante des Agrotourismo gilt die Übernachtung in einer Masseria. Die für Apulien sehr charakteristischen Masserien sind imposante herrschaftlich Gutshöfe, die im 15. Jahrhundert entstanden und sich später zu prächtigen Villen entwickelt haben. Zu ihren Grundelementen gehörte der Hof, Wohnungen für die Herrschaften und Arbeiter, Gerätespeicher, manchmal eine eigene Kapelle, Ställe, Ölmühlen, Wachtürme und Bollwerke gegen evtl. Angreifer. Masserien waren selbstständig wie kleine Dörfer und stehen meist abseits der Orte ziemlich versteckt in der Landschaft. Heute beherbergen sie Luxushotels oder Luxusrestaurants, einige betreiben auch Agrotourismus.

( Sorry, keine eigenen Erfahrungen)

 

 

Trulli

 

Ebenso charakteristisch für Apulien aber noch berühmter als Masserien sind die Trulli, die besonders zahlreich im ->Valle d`Itria ( Itriatal) zu finden sind, eine der reizvollsten Landschaften Apuliens. Früher wurden die Trulli von Hirten und Kleinbauern als Viehställe und Geräteschuppen, später auch als Wohnungen genutzt. Als Hauptstadt der Trulli gilt Alberobello, das 1996 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde und eine der Hauptsehenswürdigkeiten Apuliens darstellt.

 

Je nach Jahreszeit ist ->Alberobello touristisch sehr überlaufen. Viele Trulli wurden aber in den letzten Jahren auch zu wunderschönen Ferienwohnungen ausgebaut und befinden sich mit Ausnahme von Alberobello fast alle auf dem Land.

 

 


Trullo im Itriatal
Trullo im Itriatal

 

 

Agricampeggi

 

Wo fühlt man sich näher an der Natur als auf einem Campingplatz? Und wo lernt man am besten Menschen und andere Reisende kennen?

Die Sparvariante des Agrotourismo ist der Agricampeggio. Diese Campingplätze sind kleiner und familiärer als normale Campingplätze oder die riesigen Campingdörfer (meist inklusive Swimmingpool und Animationsprogramm), die vor allem im Salento und dem Gargano zu finden sind.

Ich habe in Gallipoli ein paar Nächte auf dem Agricamper Torre Sabea gezeltet. Der Platz ist liebevoll bepflanzt, gepflegt und der Platzwart sehr freundlich und hilfsbereit. Man schläft zwischen Oleander, Rosmarin, Eukalyptusbäumen und Kakteen, kann regionale Produkte probieren und kaufen. Wer sich ein bißchen mehr Luxus gönnen möchte, kann auch in einem Bungalow oder Luxuszelt nächtigen.

Allerdings ist die Lage an der felsigen Nordküste Gallipolis nicht sehr reizvoll und als Urlauber in der Vorsaison ohne Auto oder Fahrrad hat man das gleiche Problem wie auf vielen anderen Campingplätzen Apuliens: die Wege werden lang und die Versorgung schwierig. Deshalb sollte man das Mieten von Fahrrädern miteinkalkulieren ( ca. 5-10 Euro pro Tag).

 

 


 

 

Tipps für Camper und Backpacker: Prinzipiell ist die Hochsaison von Mitte Juni bis Ende August natürlich viel teurer als die Nebensaison und die Strände sind oft voll. Allerdings sind einige Campingplätze in der Nebensaison gar nicht geöffnet (oder: sie sind zwar geöffnet, aber nicht die Restaurants, Bars und kleinen Shops auf dem Campingplatz). Ebenso verkehren viele Buslinien, die die Orte mit der Küste verbinden, selten oder gar nicht. Das kann für Backpacker oder Touristen ohne Auto ein echtes Problem werden, vor allem wenn kein Fahrradverleih in der Nähe ist. Ich habe erlebt, dass Anfang September schlagartig Strandbars schließen und ich sehr weit gehen musste für meinen geliebten caffè. Am besten auf jeden Fall bei den Campingplätzen vorher anrufen, ob auch wirklich geöffnet ist.

 

 



Mit Bus und Bahn durch Apulien

Natürlich ist man mit dem Auto unabhängiger und flexibler, aber mit der Bahn zu reisen hat auch seinen Reiz. Hier hab ich einfach mal spontan die Kamera laufen lassen ( irgendwo zwischen Lecce und Galatina).

 

 

Wenn ich in Apulien allein unterwegs war, dann meist mit Bus und Zug.  Im letzten Frühsommer wollte ich mir mal einen Mietwagen gönnen und mußte leider feststellen, dass das ohne Kreditkarte auf den eigenen Namen so gut wie unmöglich ist.

Die gute Nachricht ist: die Züge in Apulien sind nicht nur billiger, sondern auch pünktlicher als in Deutschland. Die 46 km lange Strecke von Bari Zentrum nach Monopli dauert 30 Minuten und kostet 3,20 Euro. Schnellzüge sind teurer.

Gut ausgebaut und regelmäßig befahren ist die Strecke zwischen Bari und Lecce an der adriatischen Küste. Während Polignano a Mare und Monopoli zu Fuß gut vom Bahnhof aus erreichbar sind, liegen Ostuni, Fasano und Carovigno nicht in Nähe des Bahnhofs, sodass man von hier aus nochmal den Bus nehmen muss oder ein Farhrrad mitnehmen sollte.

Die Regionalzüge verkehren zum Teil etwas unregelmäßig, meist nur bis 20.00 uhr und an Sonntagen gar nicht.  Es gibt aber auch ein gut ausgbeautes Busliniennetzt  (Pullman). Da müßt ihr euch in den Reisebüros oder Touristeninformationen allerdings ein bißchen durchfragen, wann und wo die abfahren. Die Tickets für die Bahn gibts an jedem Bahnhof, Tickets für den Bus gibt es in den Tabakläden (nicht im Bus).

Klingt vielleicht ein bißchen kompliziert, aber dafür kann man sich im Zug oder Bus wunderbar zurücklehnen und die Aussicht auf die Landschaft genießen.

 

Preise und Abfahrtzeiten Trenitalia

Preise und Abfahrtszeiten Ferrovie del Sud Est (regionale Züge und Buslinien)

 

 

Tipps zum Autofahren und Verkehr

 

Der italienische Straßenverkehr mag uns Deutschen völlig chaotisch vorkommen, allerdings passieren statistisch gesehen weniger Unfälle als in Deutschland . Auf ein paar Dinge sollte man als Teilnehmer des italienischen Straßenverkehrs vielleicht vorbereitet sein:

 - es wird viel gehupt, was alles mögliche heißen kann, aber selten so aggressiv gemeint ist wie in Deutschland.

 - es wird links und rechts überholt und wer an einer Kreuzung auf der Linksabbiegerspur steht, fährt nicht unbedingt auch links weiter.

 - Anschnallen ist eher eine Seltenheit und gilt für einige Italiener als "typisch deutsch".

 - Radfahrer und Fahrradwege sind auch eher eine Seltenheit; Fahrradfahren auf der "strada statale" ( vergleichbar mit unseren Bundesstraßen) ist verboten.

 - Nicht alle Orte sind so konsquent ausgeschildert wie in Deutschland. Falls kilometerweit kein Hinweisschild mehr zu sehen ist: im Zweifel weiter geradeausfahren. Auch wenn man auf dem richtigen Weg ist, kann es sein, dass ein Ort, der gerade 10 km entfernt war, plötzlich 12km entfernt ist. Nicht irritiern lassen.

 - nicht alle Straßen haben Straßenschilder.

 - blaue Markierung am Straßenrand bedeutet: Parken kostenpflichtig

  gelbe Markierung am Straßenrand bedeutet: Parken verboten.

 - die Autobahnen sind kostenpflichtig.

 

 

Vorsicht bei der Automietung

 

Leider habe ich mit der Mietung eines Autos schlechte Erfahrungen gemacht und im nachhinein gehört, dass ich nicht die Einzige war.

Gesucht und gefunden habe ich ein Auto über eine der vielen Seiten im Internet ( ich glaube check24). Für 10 Tage sollte es ca. 130 Euro inklusive Vollkasakoversicherung kosten. Nach der Buchung wurde mir vom Anbieter die entsprechenden Papiere zugeschickt ( ca. 20 Seiten, die ich nur überflogen habe).

 

Am Flughafen in Bari wurde mir von der Dame bei der Abholstation erklärt, dass ich mit einer hohen Selbstbeteiligung im Falle eines Unfalls zu rechnen hätte. Sie fragte mich dann, ob ich eine zusätzliche Versicherung für ca. 200 Euro abschließen möchte, um die Selbstbeteiligung auszuschließen. Ich habe das sehr deutlich abgelehnt und eine deutsche Frau neben mir am Schalter hat mir erklärt, die Autovermietung vor Ort wüßte oft nicht, dass man durch den Anbieter in Deutschland bereits versichert ist.

Zurück in Deutschland musste ich leider fetsgestellen, dass mir zusätzliche 200 Euro in Rechnung gestellt wurden, die sich irgendwie auf die Rechnung am Flughafen gemogelt hatten. Daraufhin habe ich mir die 20 Seiten nochmal durchgelesen und darin stand die ausdrückliche Warnung: Bitte schließen Sie vor Ort KEINE Versicherung zum Ausschluss der Selbstbeteiligung ab.  (leider nicht so dick gedruckt wie hier)

 

Ich habe das Geld trotz Beschwerde und meinem Hinweis darauf, dass das Problem offensichtlich bekannt ist, nicht zurückbekommen. Am Ende war keiner der vielen Beteiligten in der Kette von Vermietern in Deutschland und Italien dafür verantwortlich zu machen.

Ich nenne daher keine Namen und kann nur dazu raten, euch zuhause und auch am Flughafen (wo man ja meistens schnell los will) nochmal gut durchzulesen, was ihr da unterschreibt.

 

Auf der offiziellen touristische Seite der Region Apulien findet ihr Informationen über die einzelnen Provinzen Apuliens, sehenswerte Orte, Events und Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Gute Reise wünsche ich Euch und wenn Ihr eine spezielle Frage habt, könnt Ihr Euch gerne über die mail-Adresse im Impressum bei mir melden.

 

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