Cabo de Gata und Jimena de la Frontera - Andalusien abseits des Massentourismus

 

Andere Zeiten - andere Länder. Motto: Reconcista der Lebensfreude. Weiße Dörfer, wildromantische Landschaften, einsame Strände mit bizarren Steinformationen, winzige Wüstenorte und unerwartet viel Kunst ohne ein einziges Museum zu besuchen.

 

 

Eines ist mir vor der Reise klar: der größte Unterschied zu Apulien wird sein, dass es die hübschen Küstenstädtchen wie Monopoli, Polignano oder Gallipoli mit ihren historischen Zentren an der spanischen Küste so nicht gibt. Benidorm, Marbella und viele andere Orte sind schon vom Massentourismus geprägt worden als Apulien, was Tourismus angeht, noch im Dornröschenschlaf lag. Aber auch in Andalusien gibt es weiße Dörfer - hier heißen sie pueblos blancos und liegen im Hinterland.

Nachdem ich stundenlang von Alicante aus durch karge Berglandschaften, durch Täler mit tausenden von Mandelbäumen und an schrecklich verbauten Küstenstädten entlanggefahren bin, wirkt das Tal, in dem das kleine weiße Bergorf Jimena de la Frontera liegt, wie eine grüne Oase.

 

Jimena de la Frontera - Pueblo Blanco am Rand des Parque Natural Los Alcornocales

 

Jimena hat etwa 7000 Einwohner und ist vom Tourismus weitgehend unberührt. Die meisten Restaurants liegen an der Plaza Constitucion, wo es auch einen winzigen Supermarkt gibt, deren Besitzerin deutsch spricht. In dem Turm nisten Turmfalken, Tauben und Schwalben.

 

 

Typische Häuser in Jimena de la Frontera: weiß getünchte, einfach Gebäude, machmal mit Innenhöfen,  fast immer umgeben von einer Blumenpracht aus Bougainvillea, Kakten, Jasmin....

 

Die gößten Sehenswürdigkeit von historischer Bedeutung sind das Castillo de Jimena de la Frontera und die bronzezeitlichen Felszeichnungen in der nahe gelegenen Höhle Cueva de la Laja Alta. Das Castillo entstand als Grenzbefestigung zwischen islamischer und christlicher Einflusssphäre im 13./14. Jahrhundert. Den Namenszusatz "de la frontera" ( an der Grenze) tragen viele Städte an der ehemaligen Grenze, die durch halb Spanien verlief. Der Aufstieg von der Plaza Constitucion zum Castillo dauert etwas 10 Minuten. Hier oben liegt auch das Tourismusbüro. Auf dem Plateau des Schlosses laufen manchmal ein paar Ziegen mit Glöckchen um den Hals herum und an schönen Tagen kann man von hier bis nach Afrika gucken. Leider nicht an diesem Tag.

 

Blick vom Castillo de Jimena de la Frontera nach Osten auf die Stadt und das Tal
Blick vom Castillo de Jimena de la Frontera nach Osten auf die Stadt und das Tal

 

Jimena grenzt an den Nationalpark Los Alcornocales - eine wilde Landschaft mit zerklüfteten Bergen, Karstgebilden, Grotten und Höhlen. Hier wachsen riesige Korkeichen, Erdbeerbäume, Steinlinden, Palmen und Agaven ( alles XXL), maurischen Bergeichen, Oleasterwälder, Zwergpalmen, Arrayán und viele, viele Blumen. Bis zu 18 Raubvögel und viele kleinere Vogelarten, Ziegen, Schafe, Kühe, Pferde, Esel. Durch starke Regenfälle hat sich in deisem Gebiet ein Netzt von Flüssen und Bächen gebildet, die sowohl zum Mittelmeer als auch zum Atlantik führen. Um Jimena herum führen einige Wanderwege,  für die man zum Glück nicht schwindelfrei sein muss, aber ein bißchen auf und ab geht es schon.

 

 

Neben einigen Andalusien-Reiseführen gehörte das Buch "Etruskische Orte" von D.H. Lawrence zu meiner Reiseliteratur:  Mit seiner Ehefrau Frieda, die er in seinen Reisetagebüchern die BK ( die Bienenkönigin) bezeichnet, führte Lawrence ein Wanderleben. Er reiste durch die Schweiz und Italien, sowie durch Ceylon und Australien, lebte in Mexiko und zuletzt in Italien. Drei seiner vier Reisetagebücher sind Italien gewidmet: „Italienische Dämmerung“ ( 1916) „Das Meer und Sardinien“ und „Etruskische Orte“. Was Lawrence an den Etruskern schätzte, war ihre Lebensfreude, ihre Verbundenheit mit der Natur und ihr Feingegühl. Ich will kurz aus dem Buch zitieren, weil es sozusagen das Motto meiner Reise wurde.

 

"Es ist alles eine Frage des Feingefühls. Rohe Gewalt und Anmaßung können eine ungeheure Wirkung hervorrufen. Aber letztlich lebt alles Lebendige durch zarte Feinfühligkeit. Wäre rohe Gewalt entscheidend, so würde nicht ein einziger Säugling vierzehn Tage überstehen.

Das Gras auf dem Felde, das gebrechlichste aller Dinge, erhält alles Leben zu allen Zeiten. Ohne das grüne Gras könnte kein Reich aufsteigen, kein Mensch würde Brot essen, denn Brot ist Gras; und Herkules oder Napoleon oder Henry Ford wären in gleicher Weise vom Dasein ausgeschlossen.

Rohe Gewalt erdrückt viele Pflanzen. Doch die Pflanzen erheben sich wieder. Im Vergleich mit dem Gänseblümchen werden die Pyramiden nicht einen Augenblick dauern. Und bevor Buddha oder Jesus sprach, sang die Nachtigall, und lange nachdem die Worte Jesu und Buddhas in Vergessenheit geraten sind, wird die Nachtigall noch immer singen. Denn nicht Predigen oder Belehren oder Befehlen oder Nötigen entscheidet. Sondern eben das Singen. Und am Anfang war nicht das Wort, sondern ein Zwitschern."

 

 

 

Blumen wachsen aus jeder Felsnische und Mauerritze, der Kaktus läst sich auch von einem Gitter nicht aufhalten.

 

 

Die meisten Tiere scheinen ein weitgehend artgerechtes Leben zu führen, zwei Maultiere und einige Perlhühner laufen frei in der Gegend herum, die Ziegen drängen sich nur zum Melken dicht zusammen. Kühe verlieren sich irgendwo als winzige Punkte in der Landschaft ( Bild unten).

 

Übernachtungstipp: Rancho los Lobos

Es gibt ein altes Gebet der Schönheit von den Navajo-Indianern:

Das Gebet der Schönheit.

Die Schönheit, mit der du lebst,

die Schönheit, durch die du lebst,

die Schönheit, auf die du dein Leben gründest.

 

Im Boutique Hotel Rancho Los Lobos, in the middle of no-where von Andalusien,

wird Schönheit im Einklang mit der Natur zur lebendigen Erfahrung. Naturduft,

Vogelgezwitscher, bunte Schmetterlinge, nächtliche Frosch-Quak-Poesie und ein

zauberschöner Sternenhimmel machen es einem leicht zu lauschen, innezuhalten

und Schönheit unmittelbar zu erfahren.

Barbara und Karl haben hier ein Paradies mit unendlich viel Liebe zum Detail

erschaffen. Jedes Zimmer ein Kunstwerk der besonderen Art. Liebevoll und

einzigartig gestaltet. Fein abgestimmt mit der Weisheit der Natur und zeitloser

Schönheit. So daß ein Raumklima entsteht, in dem der ganze Mensch seelentief

atmen und ganz bei sich ankommen kann. Und ehe man sich versieht, hat es einem

ein Lächeln entlockt.

Die stärkenden und aufbauenden Kräfte der Rancho finden sich auch in Karls

köstlich kostbarer Kulinarik wieder. Wahre Geschmacksfeuerwerke für Gaumen und

Augen und obendrein zutiefst nährender, gesunder Genuß mit ‚echten‘

LEBENsmitteln, die in einer natürlichen Umgebung ‚groß‘ werden durften. Ein

begnadeter kreativer Meister-Koch der Karl, der zudem seine Gäste mit seinem

wunderbaren Humor gerne zum Lachen bringt.

Und selbstverständlich gibt es zu einem Karl auch eine Barbara. Sie nimmt sich mit

Hingabe der vielen kleinen und großen Wunscherfüllungen ihrer Gäste an, kümmert

sich um individuelle Bedürfnisse, läßt Teilhaben an ihrem reichen Leben und

außergewöhnlichen Erfahrungsschatz, rettet Hundebabys und strahlt, wie die sie

umgebende Natur, ‚Pura Vida‘ aus. Kurzum: die beiden vermitteln pur und echt das

Gefühl – Willkommen bei Freunden. Willkommen bei dir.

Die Rancho Los Lobos ist definitiv ein Kraftort und eine Ode an die Freude. Freude

schöner Götterfunken. Ja. Die Vorstellung fällt leicht, daß die Freude und der

Götterfunken sich hier gerne niederlassen und verweilen.

 

HOTEL RANCHO LOS LOBOS
Barbara Charlotte Zinstag & Karl Michael Strobl
Calle Pasada de Alcalá 177-199
11330 Jimena de la Frontera/ Cádiz
España

tel      + 34 956 799 178 
mobil + 34 691 926 677
mobil + 49 171 4044401 
 
info@rancholoslobos.com
www.rancholoslobos.com

 

Cabo de Gata - die Wüste lebt

 

Eigentlich hätte ich von Jimena aus gern noch Cadiz oder Tarifa besucht, aber ein kaputtes Radlager macht mir einen Strich durch die Rechnung. Als das Auto repariert ist, geht es zum nächsten Ziel: Cabo de Gata, eine wüstenartige, dünn besiedelte Gegend in der Provinz Almeria mit den schönsten Stränden Spaniens ( verspricht der Reiseführer).

Strand bei Carboneras
Strand bei Carboneras

 

Cabo de Gata ist als Naturpark ausgewiesen und hat den Status eines Biosphärenreservats, weshalb hier nur noch sehr eingeschränkt gebaut werden darf. Die Halbwüstenflora ähnelt der der Sahara-Randzone. Cabo de Gata ist die trockenste Region Europas. Die Angaben schwanken je nach Reiseführer zwischen 130 und 200 ml pro Jahr!

 

 

Vor sieben Millionen Jahren formten Vulkanausbrüche die Landschaft. Die Bergkette des Cabo de Gata ist eine der bedeutendsten Vulkanformationen der gesamten Iberischen Halbinsel. Der höchste Berg ist der Pico de los Frailes mit 493 Metern, ein erloschener Vulkan. An vielen Stränden erkennt man noch gut die ins Meer geflossenen Lavaströme. Minerale wie etwa Kupferkies, Alkalifeldspat, Gold, Jaspis und Achat sind an die Erdoberfläche gekommen.

 

 

Die mehr als 36 Strände und Buchten haben Namen wie Playas de Carboneras ( Kohlebunkerbucht), Playa de Negras ( Schwarzer Strand),  Playa del Peñón Blanco ( Bucht des weißen Fels), la Isleta del Moro ( Inselchen des Moores), Playa de Mónsul (Strand des Konsuls), Playa de los Genovesés ( hier wurde dem Expansionsdrang der Genovesen Grenzen gesetzt), Playa de los Muertos ( Strand der Toten, weil hier Schiffsbrüchige angeschwemmt wurden),  Cala del Plomo ( Bleibucht) , Cala de la Media Luna ( Mondsichelbucht)....

 

Jede Bucht sieht sieht völlig anders aus. Meistens gibt es einen langen breiten Sandstrand, der begrenzt wird durch Felsformationen in den unterschiedlichsten Farben und Formen: von weiß, rosa, gelb, schwarz, braun, grau, grünlich in allen Schattierungen. Manche dieser Buchten sind nur über Schhotterpisten oder zu Fuss zu erreichen.

 

Arrecife de las Sirenas
Arrecife de las Sirenas

 

Einer alten Sage nach lebten in dieser Bucht im Altertum viele Mönchsrobben, deren Laute die Seeleute mit dem Gesang der Sirenen verwechselten. Daher rührt auch der Name Sirenenriff (Arrecife de las Sirenas). Hier befindet sich auch der Leuchtturm vom Cerro de San Miguel. Der größte Küstenort heißt San Miguel de Cabo da Gata. Er wirkt im Frühsommer fast gespenstisch leer, aber in der Nähe gibt es eine stillgelegte Saline in der Flamingos ( spanisch: flamenco ) zu beobachten sind. Reizvoller als San Miguel ist Agua Amarga.

 

Agua Amarga

 

Agua Amarga ist ein Küstenort mit nur ca. 400 ständigen Einwohnern, in den Sommermonaten werden es sicher mehr sein. "Agua Amarga" bedeutet soviel wie Bitteres Wasser, was wahrscheinlich auf Eisenpartikel aus einer Mine zurückzuführen ist. Das Stadtzentrum besteht aus einer Gruppe von weißen Häusern,  Boutiquen, sowie einigen Hotel- und Gastronomiebetrieben rund um diesem wundervollen Platz, dessen Bänke mit bemalten Fliesen verziert sind. 

 

Diese Malereien zeigen das Leben der Bauern und Fischer: Felder pflügen, Brot backen, Olivenernte, Fischen. In diesen Darstellungen erkenne ich ein bißchen von der archaischen Unschuld, die Lawrence auch auf den Malerein in den Begräbnisstätten der Etrusker endeckt.

( Vgl. Grab der Jagd und des Fischfangs)

 

Die Spanier haben die Tradition, Wandfliesen ( azulejos) zu bemalen von der maurisch islamischen Kultur übernommen und pflegen sie noch heute. Azulejo leitet sich von arabisch الزليج, DMG az-zulaiǧ („Fayence“, „Kachelwerk“) ab. Die Glasurtechniken stammen ursprünglich aus dem iranischen Raum. In Spanien und Portugal sind sie eine Hinterlassenschaft der Mauren. Die Technik der Herstellung wurde von einheimischen Handwerkern übernommen. Zentrum der Herstellung war im 12./13. Jahrhundert Andalusien, vor allem Granada. Darstellungen von Menschen und Tieren waren in der islamischen Kunst allerding selten. Es dominierten ornamentale Muster und Pflanzen.

 

 

Von Agua Amarga aus kann man mehrere Kilometer Küstenlinie eines Vulkanmassiv mit Basaltklippen und den Überresten alter Vulkane sehen oder von Bucht zu Bucht wandern. Mein erster Versuch, von Agua Amarga in die Cala Enmedio zu wandern, scheitert. Ich habe den Weg nicht gefunden, bin querfeldein den Berg hochgekraxelt.

 

 

Immerhin wurde ich dann da oben mit dieser Aussicht belohnt.

 

 

Am nächsten Tag versuche ich es nochmal. Der Weg beginnt an der Einfahrt des Parkplatzes am östlichen Ende des Strandes. Der Weg ist blau weiß gekennzeichnet, geht erst ein kurzes Stück die Straße hoch und wird dann ein kleiner Pfad, der den Berg hochführt. Es dauert ca. 45-60 Minuten bis in die Cala Enmedio. Leider ist das Meer an diesem Tag etwas aufgwühlt. Als ich in der Cala Enmedio ankomme, bin ich ganz allein hier.

 

 

Auf dem Rückweg begenet mir eine Herde Ziegen und Schafe.

 

 

Außer Ziegen gibt es im Hinterland von Cabo da Gata noch Dörfer, die Atmosphäre haben und nicht mit Hotelanlagen zugebaut sind, z.B. das ehemalige Golgräberdorf Rodalquilar.

 

Rodalquilar

 

Rodalquilar erlebte gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen wahren Goldrausch. Das Gold wurde 1883 in der Grube „Las Niñas“ entdeckt. Bis in die 1960er Jahre wurde hier noch weiter nach Gold und anderen wertvollen Metallen gesucht. Heute ist Rodalquilar ein malerischer kleiner Ort mit nur ca. 180 Einwohnern, in dem sich einige Künstler niedergelaassen haben. Der schöne Strand el Playzo ist nur über eine Schotterpiste zu erreichen.

 

 

Die eigentümliche Landschaft und die Ruinen der Bergwerksstollen von Rodalquilar haben Regisseure wie Sergio Leone für seinen Film Duck You Sucker (1972),  Steven Spielberg für Indiana Jones (1989) und andere Regisseure anzogen.1986 wurde das Gelände für den Film Solarbabies unter der Regie von Alan Johnson in ein Science-Fiction-Waisenhaus umgewandelt.

Die Ruinen der Bergarbeitersiedlung stehen leer und sind zum Teil von innen und aussen bemalt.

 

Rodalquilar ist zwar viel kleiner, aber es erinnert mich ein bißchen an die Altstädte von Marseille oder -> Taranto, die halb verfallen sind und voller Streetart. Marseille und Taranto hat aber in den letzten Jahren das Schicksal vieler dieser "vergessenen" Orte eingeholt: erst sind sie ein Geheimtipp, dann wird der Ort hip, es kommen Künstler und "Kreative", dann kommen Touristen in Scharen und dann werden aus billigen Wohnungen immer teurere Appartements oder Ferienwohnungen, am Ende steht Gentrification.

Rodalquilar ist ziemlich ruhig, aber ich weiß nicht, wie es in der Hauptsaison ist. Zur Zeit findet die open-air Kunstausstellung "Rodalquilarte" statt. Alle Bilder, ob Fotos oder Gemälde, haben offenbar einen Bezug zur Region Cabo da Gata.

 

Rodalquilarte 2022 - Siquerianas

Unter freiem Himmel sind 70 Kunstwerke zu sehen. Die jährlich stattfindende Ausstellung heißt in diesem Jahr  "Siquerianas", um an den im letzten Jahr verstorbenen Fotografen Carlos Pérez Siquier zu würdigen. Der 1930 in Almería geborene Fotograf galt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der avantgardistischen Fotografie. Aus Interesse an Anthropologie und Landschaften porträtierte er von 1970 bis Mitte der 1990er Jahre den Tourismus an den Küsten im Südwesten: Marbella, Cabo de Gata und Níjar. In Rodalquilar habe ich kein Foto von ihm entdeckt. Das Centro Pérez Siquier befindet sich in Olula del Río in der Provinz Almeria. Hier zweil inks von der Webseite des Zentrums zu seinen Fotoserien:

 

-> La Isleta del Moro ( 1970)

 

-> Almeria 1956 - 1974

 

 

 

Der Maler Juan Mozos ( letztes Bild) lebt und arbeitet seit 1993 im Naturpark Cabo de Gata und gibt sein Wissen kostenlos weiter. Auf seiner Webseite finde ich zwei Zitate , die mir sehr gefallen.

 

  "Absichtliche emotionale Gesten.  Vollständige oder teilweise Dekonstruktion von Formen.  Synthesen und Umrisse von ihnen.  Harte Kontraste.  Ausdruck. Farbe.  Denkende Köpfe schwanger mit Zeichen.  Andeutung von Scheinformen.  Schwangere Köpfe der Denkzeichen.  Offensichtliche Formen der Anspielung.  Weiße und unermessliche Einsamkeit, die alles umhüllt" - J.Mozos

 

  "Die Gesundheitsbehörden sollten davor warnen, dass Arbeit als Produkt unserer Marktwirtschaft ernsthaft gesundheitsschädlich ist: Sie birgt das Risiko psychischer und tödlicher Krankheiten, aller Arten von körperlichen Behinderungen und verkürzt das Leben. Kurz gesagt: Arbeit ist tödlich. ( Anonym 21. Jahrhundert )

 

- > Webseite Juan Mozos

 

Sehenswert in Rodalquilar:

Das Geotouristische Zentrum – Ökomuseum „Haus der Vulkane“ . Eintritt frei.

geöffnet Donnerstag bis Sonntag von 10:00 bis 14:00 Uhr

Calle Fundición, s/n, 04115

 

Der Botanische Garten El Albardial. Eintritt frei.

Calle Fundición, s/n, 04115

 

 

Für einen so kleinen Ort hat Rodalquilar einiges zu bieten. Hier suchen sich wieder zwei Pflanzen ihren Weg in die Sonne. Die Kunst hat letztlich mein Interesse an der Kultur des Landes geweckt. Am Strand verschmelzen Natur und Kunst in der Landart.

 

Land Art am Strand

 

Land Art ist eine Kunst, die das unmittelbare Erleben von Landschaft und Umwelt verändert. Die Kunstrichtung entstand in den 1960er Jahren in Amerika und hatte eine gesellschaftskritische Komponente. Die Künstler wollten Werke schaffen, die weder als  Spekulationsobjekt noch Konsumgut genutzt werden konnten. Deshalb machten sie Kunst, die in keiner Galerie ausgestellt werden konnte, also weder transportabel, käuflich noch dauerhaft war.  Hier am Strand sieht es aus wie ein Gemeinschaftskunstwerk: jeder kann daran mitbauen oder etwas zufügen. Das Material: Steine und Strandgut, umsonst und draussen.

 

 

-> Webseite Parque Natural Cabo de Gata ( Mit Hinweisen zu Orten, Aktivitäten, Karten, Stränden, Tourismus ect.)

Der Indalo - der Mensch

 

Das kleine Strichmännchen, das einen Bogen über dem Kopf hält ist der " Indalo ". Der Indalo ist eine jungsteinzeitliche, bzw. kupfersteinzeitliche Figur, die als Höhlenmalerei in der Höhle „Los Letreros“ bei Vélez-Blanco in der spanischen Provinz Almería erstmals entdeckt wurde.

 

Der Indalo ist ein archaisches Symbol für den Menschen. Der Regenbogen kann als Brücke zwischen der physischen und der spirituellen Welten gesehen werden. Bei den Indianern in Nordamerika, bei den Cree, Sioux und der Hopi, sagt eine Legende voraus, der Große Geist wird wieder aufstehen und der Rainbow Krieger wird die Welt in die Freiheit führen.

Es gibt viele Möglichkeiten, dieses Symbol zu deuten: ein Jäger mit gespanntem Bogen, ein Götzenbild im religiösen Sinne oder die Zeichnung eines Mannes mit einem Regenbogen als Zeichen des Schutzes vor bösen Geistern oder irdischen Übeln. Alle sind sich jedoch einig, dass dieses Symbol von Mojácar, das auf den Namen Indalo getauft wurde, etwas Übergeordnetes widerspiegelt, das Menschen und Orte vor möglichen Gefahren, dem bösen Blick aber auch vor Unwissenheit und möglichen Übeln schützt .

 

 

Heute findet sich der Indalo in unzähligen Logos, Firmen, Geschäften und auf Häuserfassaden  wieder. Die Cueva de los Letreros  wurden 1868 von dem Archäologen Manuel de Góngora y Martínez entdeckt und 1998 als Teil der Felskunst des Mittelmeerbogens der Iberischen Halbinsel zum Weltkulturerbe erklärt. In der Cueva de Los Letreros in Velez Blanco sind neben dem Indalo schematische Tierdarstellungen (Ziegen, Hirsche usw.) sowie Bilder von Männern und Frauen, normalerweise mit gebogenen Armen und Beinen zu sehen, die etwa auf 5000 v. Chr. datiert sind. Mir winkt der Indalo ein letztes Mal von einem LKW auf der Autobahn Richtung Frankreich  zu.

-> Webseite der Cueva de los Letreros

 

Besichtigung: Juni, Juli und August: Mittwochs, Samstags, Sonn- und feiertags um 19:00 Uhr. Rest des Jahres: Mittwochs, Samstags und Feiertags um 16:30 Uhr. Sonntags um 12:00 Uhr. Erwachsene: 2 € Kinder bis 14 Jahre: 1 €

 

Etruskische Orte

 

Hier noch einige Zitate aus dem Buch "Etruskische Orte". Das Buch beginnt mit diesem Satz:

„Die Etrusker waren, wie jeder weiß, das Volk, das in der römischen Frühzeit Mittelitalien bewohnte und das die Römer, auf ihre übliche gutnachbarliche Manier, völlig ausrotteten um für ihr Rom – ein ziemlich groß geschriebenes Rom – Raum zu schaffen.“

Lawrence stellt der etruskische Lebenfreude dem römischen, lateinischen und preussischen Größenwahn gegenüber:

"Das etruskische Element ist wie das Gras auf dem Felde und das Sprießen des Korns in Italien; das wird immer so bleiben. Warum versucht man also zur Apparatur und zur Unterddückung zurückzukehren, wie sie Lateiner und Römer kennzeichneten?"

"Der Geist des Ortes ist ein merkwürdiges Ding. Unser mechanisches Zeitalter versucht sich darüber hinwegzusetzen. Aber ohne Erfolg. Am Ende wird der befremdliche, dunkle Geist, der an verschiedenen Orten so unterschiedlich, ja gegensätzlich ist, unser mechanisches Einssein in Stücke schlagen und mit einem Knall in Luft auflösen und wir werden staunend davorstehen."

 

 

"Etruskische Orte" war Lawrence` letzte Reisebeschreibung. Sherwood Anderson sagte über D.H. Lawrence: „ Wer wissen will, wie es um unser technisches Zeitalter steht, was es mit Menschen anrichtet – der lese Lawrence. Er fand den Weg heraus. Er lebte.“

 

 Arte Doku: -> Die Etrusker . Der Dokumentarfilm forscht nach den Gründen für den Niedergang des etruskischen Reiches, dem es nicht gelang, das aufsteigende Rom zurückzudrängen. Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus fielen die Städte der Etrusker eine nach der anderen, als letzte fiel Aléria im Jahr 259 vor Christus. Online vom 11/06/2022 bis 16/08/2022

Amerkungen

 

Für Museen hatte Lawrence nicht viel übrig. Trotzdem der link zum Museen mit den Malereien in Tarquinia und einer aktuellen Etrusker-Ausstellung in Nimes:

 

- >  Malerien der Etrusker in Tarquinia. Grab der Jagd und des Fischfangs.

 

- > Die Etrusker, eine Zivilisation des Mittelmeerraums -  Ausstellung in Nimes. 15. April – 23. Oktober 2022

 

Andalusien wird auch das Land der hundert Feste genannt. Die „ferias“ haben ihre historischen Wurzeln in den Viehmärkten. Aber selbst Wallfahretn, religöse Prozesionen und die Semana Santa werden mit erstaunlicher Leichtigkeit begangen: Mitleiden und Buße-Tun vermischen sich mit Ausgelassenheit und Äußerungen von Lebensfreude über das Erwachen des Frühlings.

 

no te rindas heißt: gib nicht auf!

 

Alle Künstler, die bei Rodalquilarte 2022 teilnehmen:

Alberto Gayo, Amos García, Antonio Flores, Ana Uceda, Carmen Fernández Peña, Clhoe van der Midje, Carlos Pérez Siquier, Antonio Jesús García -Ché, Clásicos en el parque, Encarna Morales, Enrique Brooking, Francisco Uceda, Iñigo Villalonga, Isabel Giménez Caro, Isabel Aranda, Jeanne Chevalier, Jesús Campra, Joaquín Muñoz Baroja, Jobel, Juan Mozos, Juan Núñez, José Luis de Hijes, Juan José Romero, Lola Monterreal, Mar Cirugeda, Mario Sanz, Marlene Freniche, Miguel Costales, Myriam Vela Blanca, Rodrigo Valero, Sophie Cuendet, W. Foc, Wolfgang F. Krause, Jesús Zamarrón, Cristóbal Carretero Cassinello, Macarena Albacete, Carlos de Paz, Jesús Martín Visiedo, Marit Schmeling, Mara Vilar Sancho, Pedro Carrillo y Andrés García Ibáñez.