Stadtgeschichte Tarent von der Antike bis heute

 Hier findet ihr einige erganzende Angaben zum Hauptartikel -> Taranto - die Möglichkeit einer Insel

Gründung / Mythologischer Ursprung

 

Tarent wurde etwa 1200 Jahre vor Rom gegründet, als der Halbgott Taras, Sohn Neptuns, die Stadt Tara, anlegte. Im Altertum war die damals für ihren Reichtum berühmte Stadt ein wichtiges Zentrum der Magna Graecia ( Grossgriechenland). Noch heute sind Wissenschaftler und Archäologen fasziniert von Tarent und seiner Geschichte, die wie viele Städte Apuliens auch reich an kriegerischen Ereignissen ist:

272 v. Chr. von den Römern erobert, später wurde es teilweise von Sarazenen zerstört, die von 840-880 ein islamisches Emirat in Süditalien errichteten. Im Laufe der Zeit geriet Tarent unter gotische, normannische, spanische und französische Herrschaft. Ende des 19. Jahrhunderts wurde Tarent ein Marinestützpunkt. Ein britischer Angriff auf den Hafen von Tarent am 11. November 1940 mit Flugzeugen, die von einem Flugzeugträger aus starteten, gilt als Vorbild für den Angriff der Japaner auf Pearl Harbor ein Jahr später.

 

Das griechische Tarent war in Akropolis, Polis und Nekropolis unterteilt. Die Akropolis ist identisch mit dem höchsten Teil der Stadt, war Sitz der wichtigsten Tempel, der öffentlichen Gebäude und der berühmtesten Denkmäler. Die Polis, das Wohnviertel, befindet sich im Westen des Borgo bis Via Leonida, die Nekropolis garantierte die ewige Ruhe der Verstorbenen.

 

Überschwemmungen im 19. Jahrhundert

 

Zwei Überschwemmungen im 19 Jahrhundert könnten ein weiterer Grund sein, warum sich die Altstadt heute in so schlechtem Zustand befindet. 1827 verursachte eine Überschwemmung große Schäden an vielen Häusern und der Stadtmauer. Tierherden wurden ins Meer gerissen und der Miesmuschelgarten zerstört, was eine Hungersnot verursachte.

 

1883, ereignete sich eine zweite noch schlimmere Überschwemmung, die die Altsstadt traf. In einem Bericht aus der damaligen Zeitung „Rinnovamento di Taranto“ steht folgendes:

Heute Nacht, nach einem sehr starken Gewitter, das mehrere Stunden gedauert hat, erhob sich der Meeresspiegel um fast 3 Meter. So standen der Piazza Grande, die Via Garibaldi, die Häuser und die Läden im Erdgeschoss über einem Meter im Wasser; Rettungsboote mussten eingesetzt werden. Die Schäden waren sehr groß. Die Gewalt der Strömung, die sich mit unsagbarer Wucht ergoss, riss den Ponte di Napoli und die Zitadelle ab; die Stadt musste sofort evakuiert werden. Auch Porta Lecce ist baufällig und den Einwohnern wurde der Übergang verwehrt. Diese plötzliche Katastrophe warf die Stadt in die Trostlosigkeit. Es scheint, als ob es viele Opfer gäbe. Alle umliegenden Äcker am Mar Piccolo wurden verwüstet, überschwemmt, sind unerkennbar geworden. Es scheint, als ob die Austern- und Miesmuschelkultur sehr darunter gelitten hat, wenn sie nicht völlig dadurch zerstört wurde. Wieviel Unglück! Wieviel Armut sich vorbereiten wird! Der Gemeinderat hat sich zu einer Dauersitzung versammelt. Ein Bootservice wurde organisiert. Mit Pumpen wird das Wasser von Via Garibaldi entfernt. Soweit man denken kann, ist so etwas noch nie geschehen – das bedeutet entweder die Naturgesetze haben sich verändert oder das Jahr 1883 soll als Unglücksjahr in die Geschichte eingehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Tarent

 

 

Die geheilte Stadt.  MAS Woche 2018.

 

Im September 2018 fand in Taranto der Architekturworkshop „Creativ district for old town“ statt. Organisiert wurde er von der Gesellschaft Mas ( Modern Apulian Style). Ziel der Veranstaltung war es, in Taranto ein neues Kreativitätsviertel entstehen zu lassen, eine neue Adresse für Kreative, Intellektuelle, Start-ups und Unternehmer. Die Altstadt wurde dafür in Makroviertel aufgeteilt. Aus den speziellen Themen und Visionen, die die einzelnen Gruppen herausarbeiten soll dann ein Masterplan entstehen. Im Mittelpunkt dieser Woche standen Architektur, Design, wirtschaftliche Entwicklung aber auch Musik, Theater, Kino, und Kunst.

 

In Zusammenarbeit mit Green Routes, der Kommune Taranto, und dem Kollektiv LAS (Land Art Salento) war in diesem Rahmen auch die Installation „ Drittes Paradies“ von Michelangelo Pistoletto zu sehen, einem Hauptvertretern der italienischen Arte Povera, der auch schon bei der Biennale teilgenommen hat.

 

 "The Third Paradise is the third phase of humanity, realized as a balanced connection between artifice and nature. The Third Paradise assumes a concrete and operative form through the activities of Cittadellarte and its global network (made of Embassies, Forums and Working Sites, and hundreds of partners), and the best practices presented in Geographies of Change. " (Michelangelo Pistoletto)

 

-> Webseite terzoparadiso

 

Green Routes ist ein Projekt, das lokale Kommunen zu Protagonisten urbaner Veränderungen macht. Die Projekte "Public Scape Taranto" sind öffentlich zugänglich. Orte und Besuchszeiten findet ihr auf der ->Webseite Green Routes.

 

-> Webseite Modern Apulian Style

 

 

Antonio Ottomanelli über Taranto

 

Der Fotograf Antonio Ottomanelli aus Bari hat während des Lockdowns 2020 vom Dach seines Hauses mit Übungen der Vorstellungskraft gegen die Angst begonnen. Er setzt sich ein für eine  ökologische Revolution in der Arbeitswelt. Über Tarent sagt er: Tarent ist das deutlichste Beispiel für die Risse, die durch den unversöhnlichen Dualismus zwischen Industrie und Gesundheit, zwischen Produktion und Umwelt entstehen. Die Pandemie hat den Streit, den Tarent seit langem erlebt, globalisiert. 

 

"Wir waren 54 Tage lang eingeschlossen. 54 Tage vorsätzlicher Hausarrest. Die Abriegelung war der richtige Zeitpunkt, um die Grundlagen für einen Weg zu legen, der Ökologie, Antikapitalismus, Humanismus, Rationalismus und vor allem die Suche nach Glück verbindet. (...) In Krisen wie dieser hat der Kapitalismus die Gelegenheit, die Karten neu zu mischen und die Profitsektoren im globalen Maßstab neu zu überdenken. Wir können nicht hoffen, dass das System auf sympathische Weise eine Alternative zum neoliberalen Modell hervorbringt. Der Kapitalismus ist gefährlich für das Überleben der Ökosysteme. Unfähig, regulatorische und umverteilende Elemente zu akzeptieren. Wir müssen einer kollektiven Zusammenarbeit, einer Übung des kollektiven Bewusstseins Gestalt geben, die es uns ermöglicht, neue Formen des Zusammenlebens zu erfinden. Wir müssen den Mut zu einer gemeinsamen Vision haben.