Besuch aus Apulien: Kleine Weihnachtsanekdote

 

Die Weihnachtskrippe hat ihre Wurzeln in Italien und in Süditalien ist sie noch heute der unumstrittene  Mittelpunkt im Weihnachtsgeschehen.

 


Weihnachten in Süditalien - die Krippe im Zentrum

 

In Neapel nennt sie sich "Pastorello". Die wichtigsten Figuren sind etwa 35 bis 40 cm, aus Holz und Ton gefertigt, auch die Kleider wurden in eigenen Manufakturen gewebt. Unzählige kleinere Figuren, die den Alltag der Neapolitaner darstellen, finden sich häufig im Hintergrund der sehr aufwendig gestalteten Krippen. In Apulien heißen die Krippen "Presepe", deren Figuren z.B. in Lecce aus Pappmaché gemacht werden, und Krippenspiele sind in ganz Italien sehr beliebt.

 

In der Vorweihnachtszeit bekomme ich Besuch aus Apulien. Wir wandern durch ein graues, kaltes Berlin, in dem nur die Weihnachtsmärkte durch ihr warmes Licht eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlen.

 

Als wir über den Weihnachtsmarkt am Neptunbrunnen gehen, ruft mein Besuch erstaunt aus: "E già nato !??" ( "Es ist schon geboren !??" )

Wir haben eine Krippe entdeckt. Für mich sieht sie aus wie jede andere Krippe: das Jesuskind, Maria und Josef im Stall und nicht weit davon entfernt Esel und  Kuh. Mein Gast ist aber irritiert. "Wieso ist das Kind schon geboren? Es ist doch noch nicht Weihnachten?" Und außerdem: "Warum sind der Esel und die Kuh außerhalb des Stalls? Die müssen doch im Stall sein, weil der Atem der Tiere das Kind wärmt."

So hab ich das noch nie gesehen oder gehört und irgendwie geht mir bei dem Gedanken das Herz auf. Deshalb bin ich ein bißchen in Erklärungsnot. "Vielleicht ein Versehen..." murmele ich etwas verlegen. Obwohl ich nicht besonders gläubig bin, zögere ich zu sagen: "Bei uns ist Weihnachten eigentlich nur ein Konsumfest. Mit der Weihnachtsgeschichte nimmt das hier niemand so genau." 

An den folgenden Tagen kommen wir noch an einigen Krippen vorbei und es ist immer dasselbe: Jesus ist schon geboren. Die Tiere stehen meist außerhalb des Stalls.

 

Am zweiten Advent besuchen wir die Zionskirche. Nicht um an einer Messe teilzunehmen, sondern weil man vom Turm aus einen schönen Ausblick über Berlin hat. Mich interessiert, ob es hier eine Krippe gibt und ob das Jesuskind schon darin liegt. Die Kirche gleicht einer Baustelle. Überall bröckelt der Putz von den Wänden, aber es gibt eine Krippe.

Und das Jesuskind ist noch nicht geboren. Na also, denke ich, wenigstens hier wird Weihnachten getreu der Geschichte inszeniert. "Aber wo sind Maria und Josef?" fragt mein Gast. Nicht nur das Kind fehlt in der Krippe, auch Maria und Josef fehlen. Vielleicht sind sie noch auf der Reise oder auf der Flucht, denke ich. Mein Besuch ist wieder irritiert.

 

Im Vorraum der Kirche gibt es  Kaffee, Tee und Kuchen gegen eine Spende und hier kommen wir mit einer freundlichen Frau ins Gespräch, die zufälliger Weise auch noch sehr gut italienisch spricht. Ich frage sie, ob sie meinem Gast erklären kann, warum Maria und Josef nicht in der Krippe sind. Sie meint, Maria sei in der protestantischen (Weihnachts)geschichte nur eine Nebenfigur. Außerdem erklärt sie uns, warum die Kirche von innen vergleichsweise minimalistisch sei. "Die Protestanten haben es nicht so mit den Bildern, mehr mit der Musik. Deshalb gibt es auch so viele Konzerte in den protestantischen Kirchen."

 

Beim Verlassen der Kirche meint mein Besuch, die minimalistische Kirche habe ihm gefallen. Er werde konvertieren. Ich antworte scherzhaft: " Bitte nicht. Dann werden dir deine Sünden auf Erden nicht vergeben. Da bleibt nur harte Arbeit, um ins Paradies zu gelangen. " Später höre ich ihn leise sagen: "Und die Tiere sind dann wohl wichtiger als Maria und und Josef. Maria eine Nebenfigur..."

 

In Apulien, erzählt er, gibt es in der Vorweihnachtszeit viele religiöse Veranstaltungen, Feste, Konzerte, Chöre für Kinder und Erwachsene, Theateraufführungen und Krippenspiele. Am  Heiligen Abend selbst gibt es ein Frühgebet "Novena di Natale" und in der Mitternachtsmesse wird das Lied „Tu scendi dalle stelle“ („Von den Sternen schwebst du hinab zu uns“) gesungen. Dabei wird die Figur des Christkindes in die Krippe gelegt.

 

 

Weihnachtliche Festtage in Italien

 

Einen Tag nach Weihnachten entdecke ich bei einem Bummel durch Mastricht in einem Schaufenster diese neapolitanische Krippe, bei der die beiden Ochsen ganz nah am Jesuskind stehen. Hier die wichtigsten Festtage:

 

6. Dezember: Tag des heiligen Nikolaus (San Nicola)

 

13. Dezember: Fest der Santa Lucia, der „Botin des Lichts“, die im Jahre 281 in Sizilien geboren wurde und ihr ganzes Vermögen den Armen vermachte. Die Süßspeise der Armen "Torrone dei poveri" erinnert an die Heilige.

 

24./25. Dezember: Weihnachtsfest

 

  6. Januar: Epifania und im Volksglauben Tag der Befana, der guten Hexe.

Dem Volksglauben nach hat sich die Befana nicht schnell genug auf den Weg zur Krippe gemacht und den Stern verpasst. Auf der Suche nach dem Christkind irrt sie auf einem Besen reitend durch die Welt und hinterlässt für die artigen Kinder Süßigkeiten, für die unartigen schwarze Kohlestücke.

 

 


Der Nikolaus in Bari

 

Er ist der Schutzpatron der Schüler und Studenten, Pilger und Reisenden, der Liebenden, der Alten, der Ministranten, der Kinder, der Diebe, Gefängniswärter und Prostituierten. Bei uns ist er bekannt als der Nikolaus.