Kurztrip nach Adelfia


 

Von Adelfia nach Bari, Polignano a Mare, Bitritto und Trani. Entspannung am Strand inklusive.

 

Im Oktober packt mich das Fernweh und bevor das schäbige Wetter auch Apulien erreicht, buche ich kurzentschlossen einen Flug und suche nach Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe von Bari. Hat geklappt, also auf nach Apulien.

 


Ankunft in Adelfia


Typische Gasse in der Altstadt von Adelfia
Typische Gasse in der Altstadt von Adelfia

Mitte Oktober: 8 Grad und Nieselregen in Berlin, 22 Grad, Sonne und starker Südwind in Bari. Mein Gastgeber hat angeboten, mich vom Bahnhof in Bari abzuholen, falls ich Probleme hätte. Die Züge in Apulien fahren seit dem Zugunglück im August 2016 vorsichtig und langsam, wie ich später erfahre. Die Fahrt von Bari nach Adelfia dauert ca. 25 Minuten, mit 5 Minuten Verspätung komme ich Abends gegen 19.00 uhr in Adelfia an. Als ich vom Bahnhof auf die Altsstadt zulaufe, zirpen die Grillen. Das Geräusch des Sommers. Ich bin gespannt auf meinen Gastgeber.

 

Zum Glück sind wir uns auf Anhieb sympathisch und auch Adelfia gefällt mir auf Anhieb: malerische Gassen, überschaubar und unaufgregt. Wir unterhalten uns auf Englisch, denn mein Italienisch ist ziemlich eingerostet. Das kleine Haus in der Alstadt von Adelfia ist typisch für die Region aus weigekaltem Tuffstein, innen aber modern und gemütlich eingerichtet, Mitbringsel von Reisen aus aller Welt finden sich in der Wohnung. Ein Weltenbummler wie ich. Wir trinken ein Begrüßungsbier, ich erzähle was ich gerne sehen würde und er macht ein paar Vorschläge zu aktuellen Events, die man besuchen könnte. Wir drehen noch eine kleine Runde durch Adelfia: Pizzeria, Cafe, Pescheria, Latticini, Salumi - alles direkt um die Ecke.

 


1. Tag: Bari


 

Wir besuchen einen Streetfood-Market am Lungomare in Bari. Es gibt verschiedene Fisch- und Fleischgerichte, Panzerotti, regionale Spezialitäten, aber auch diverse Burger und natürlich dolce (Süßes). Kleine Stände aus verschiedene Orten Apuliens präsentieren ihre eigenen Gerichte auf Basis der traditionellen Küche Apuliens.

Essen, die „arte del sapore“, (Kunst des Geschmacks) ist enorm wichtig für die identità italiana. Ständig wird über das Essen geredet, mindestens soviel wie über Politik und Fussball. Gegenüber dem fastfood zeigt man sich gerne widerständig. So geht in Apulien das Gerücht, dass die Mc Donalds Filliale in Altamura nach wenigen Wochen aus Mangel an Kundschaft schließen musste (keine Chance gegen das berühmte Brot aus Altamura).

Da das Essen hier auf dem Streetfood- Markt relativ teuer ist (ein Panzerotti kostet normaler Weise um die 2 Euro, hier aber 5 Euro) , fahren wir gegen 23.00 nach Bari Vecchia. Nachdem wir an der alten Hafenmauer endlich einen Parkplatz gefunden haben, gehen wir griechisch essen. Danach bummeln wir durch die Altsstadt: Bars, Restaurants, Musik, junge Leute. Lange nach Mitternacht ist hier Samstag abends noch ganz schön was los. Gegen 3.30 wird überlegt, wo wir jetzt am besten cornetto (Croissant) essen und caffè trinken gehen, ein typischer Brauch in Apulien, um den Abend zu beschließen. 20 Grad, zeigt die Temperaturanzeige noch.

->mehr über Bari

 


2. Tag: Polignano a Mare, TerraRoss in Bitritto


 

Ich schlafe erstmal aus und am Nachmittag gehts dann an den Strand in der Nähe von Cozze. Leider hat der Wind inzwischen gedreht, kommt von Norden und bringt immer mehr Wolken mit sich. Zu kalt zum Baden. Wir fahern also weiter nach Polignano a Mare, bummeln ein bißchen durch die Altstadt, trinken eine caffè speciale (Geheimrezept) in der Gelateria Il Super Mago del Gelo. Polignano ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, das tiefblaue Meer scheint hier eine besondere Inspirationsquelle für Künstler zu sein. Der Sänger Domenico Modugno („Nel blu dipinto di blu“) wurde hier geboren und wir besuchen an diesem Nachmittag eine kleine Kunstausstellung, die sich mit dem Thema Meer und der Farbe Blau auseinandersetzt.

 

Tipp: Das ->Museo Pino Pascali ist eines der besten Museen Italiens für zeitgenössische Kunst. Es ist dem aus Bari stammenden Arte-Povera Künstler Pino Pascali gewidmet.

 


 

Am Abend fahren wir von Adelfia aus ins nahe gelegene Bitritto. Hier findet die Sagra del Toro statt. Ich bin eigentlich schon ziemlich müde, als wir gegen 23.00 uhr ankommen, werde aber sofort wieder hellwach, als ich die Musik höre. ->TerraRoss nennt sich die Band, apulische Folkmusik auf den Spuren der pizzica tarantina. Das Motto lautet: „Tanzt und ihr werdet niemals ermüden, denn es sind Tempo und Rhythmus, die dich zurückführen zum Herzschlag des Lebens, zum Herzschlag der Erde.“ Ganz Bitritto ist auf den Beinen und tanzt und ich bin mal wieder total verzaubert von Apulien.

 


3. Tag: Adelfia und Trani


 

Heute mache erstmal ich einen Spaziergang durch Adelfia. Adelfia ist ein ganz ruhiger, hübscher Ort, in  dem Touristen wirklich noch eine Seltenheit sind. Adelfia hat ca. 17.000 Einwohner und besteht quasi aus zwei Gemeinden: Montrone und Canneto, die 1927 vereint wurden. Adelfia bedeutet soviel wie Brüderlichkeit. Natürlich sind die Leute aus Montrone aber überzeugt, dass Montrone die eigentliche Stadt ausmacht und umgekehrt denken die Leute aus Canneto das gleiche. Typischer italienischer Lokalpatriotismus. Nationalstolz begegnet man dagegen kaum, außer beim Fussball.

Nachdem ich mal wieder lange geschlafen und in aller Ruhe gefrühstückt habe, ist es fast 13.00 uhr das heißt Siesta: alle Geschäfte sind bis 17.00 uhr geschlossen.

 



San Trifone

Adelfia

 

Ich beobachte, wie zwei Wochen vor dem Patronatsfest zu Ehren von San Trifone bereits mit den Vorbereitungen für die Illumination begonnen wird. Für die Menschen aus Adelfia ist das Fest von San Trifone wie Weihnachten und Sylvester zusammen. San Trifone war ein christlicher Märtyrer, der im 3. Jahrhundert lebte und die Gabe gehabt haben soll, Krankheiten zu heilen. Bereits im Alter von 17.Jahren wurde er gefoltert und geköpft, weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte. In Adelfia sieht man seine Figur oft mit einer Lanze bewaffnet, auf die eine Heuschrecke aufgespießt ist, da er eine Heuschreckenplage verhindert haben soll. Das Fest für den Schutzheiligen von Adelfia ist weit über die Grenzen Apuliens bekannt und zwar vor allem aufgrund seiner spektakulären Feuerwerke. Es gibt Verkaufsstände, Live-Bands, Lichterbögen, Tages- und Nachtfeuerwerke.

 


 

Auch eine deutsche Feuerwerks-Fanpage zeigt Impressionen der Feuerwerke in Adelfia zu Ehren San Trifones.

 

 

Trani

Trani, Fischerhafen
Trani, Fischerhafen

 

Am Nachmittag machen wir einen Ausflug nach Trani. Trani hat einen großen Fischerhafen und an der Seepromenade reihen sich viel Cafes, Restaurants und Cocktailbars. Ich möchte unbedingt die Kathedrale San Nicola Pellegrino sehen, von der jemand behauptet hat, es sei die erhabenste Kathedrale des Mittelalters. Ich bin zwar kein ausgesprochener Kirchenliebhaber, aber von der eher schlichten, romanischen Kathedrale San Nicola Pellegrino bin ich wirklich beeindruckt. Sie steht direkt am Meer und wirkt im Gegensatz zu überladenen Barockkirchen so leicht als würde sie gleich davonwehen. Das reich verzierte Portal aus Tuffstein macht einen orientalischen Eindruck, vielleicht weil 100 Jahre vor dem Bau der Kirche Apulien teilweise in der Hand der Sarazenen ( Araber ) war.  Nur mal nebenbei bemerkt: Die Kathedrale ist fast 1000 Jahre alt (erbaut von 1056-1186), also älter als die Stadt Berlin (gegründet 1237) und der Kölner Dom (Baubeginn 1248).

 

Noch ein paar Impressionen aus Trani:

 


 

In Bisceglie gehen wir dann sehr lecker essen. Vorspeise: ein Salat aus Mandeln, Mozarella, Möhren, Rucola, Gamberi und grünem Salat. 2. Gang: Tartare di Tonno (roher Thunfisch, ich glaube mit Olivenöl, Orangensaft, Pfeffer, Salz und Fenchel angemacht) Hauptgang: ein Muschelgericht, dessen Namen ich leider vergessen habe. Buonissimo! Jetzt weiß ich mal wieder, warum ich in Deutschland nie so richtig Appetit habe.

 


4.Tag: Conversano und ab an den Strand


 

Über die Landstraße von Adelfia nach Conversano trau ich erstmal meinen Augen nicht. Da stehen halb nackte Frauen tänzelnd am Straßenrand. "Ich dachte Prostitution ist verboten in Italien?" frage ich nach. "Ja, aber es wird toleriert. " ist die Antwort.

 

In Conversano trinken wir dann einen Caffè und sehen uns eine altes Kloster an. Kontrastprogramm.



 

Am letzten Tag zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite: keine Wolke, kein Wind. Und kein Mensch am Strand außer einem Angler, der nach Pulpo fischt. Kleine Fische springen immer wieder aus dem Wasser. Bestimmt vor Freude, dass sie hier in dieser wunderschönen Bucht sein dürfen. Wenn man mit dem Boot rausfährt, kann man hier manchmal sogar Delphine sehen, erzählt mir mein Gastgeber. Das will ich dann nächstes mal machen. Jetzt springe auch noch ein paarmal ins Wasser und tanke Sonne, bevor es zurück zum Flughafen geht.

 


 

Fazit: Was man in 4 Tagen mit dem richtigen "Reiseleiter" alles erleben kann! Wenn ich diesmal nicht soviele Fotos gemacht habe liegt es daran, dass wir uns so gut unterhalten haben und ich das Fotografieren oft vergessen habe. Nebenbei habe ich also wieder viel über Apulien erfahren und am Ende war auch mein Italienisch aufgefrischt. Ein Fünf Sterne Urlaub, weil es das ist was ich neben Strand und Sightseeing suche: Begegnungen. Grazie mille !

 

Die Reise ist durch einen Tipp von einem Freund zustande gekommen. Hier gehts zur Webseite von inpuglia - unconventional tour.

 

Und weil es so schön war, hab ich im nächsten Jahr wieder eine Tour mit inPuglia gemacht.

->Hier der Bericht:

 


Weiterlesen:

Bari

TerraRoss und die Tarantella