Kurztrip nach Apulien


 

Von Adelfia nach Bari, Polignano a Mare, Bitritto und Trani. Entspannung am Strand inklusive.

 

Im Oktober packt mich das Fernweh und bevor das schäbige Wetter auch Apulien erreicht, buche ich kurzentschlossen einen Flug und suche nach Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe von Bari. Hat geklappt, also auf nach Apulien.

 


1. Tag: Polignano a Mare


 

Ich schlafe erstmal aus und am Nachmittag gehts dann an den Strand in der Nähe von Cozze. Leider hat der Wind inzwischen gedreht, kommt von Norden und bringt immer mehr Wolken mit sich. Zu kalt zum Baden. Wir fahren also weiter nach Polignano a Mare, bummeln ein bißchen durch die hübsche Altstadt, trinken eine caffè speciale (Geheimrezept) in der Gelateria Il Super Mago del Gelo.

 

 

Polignano ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, das tiefblaue Meer scheint hier eine besondere Inspirationsquelle für Künstler zu sein. Der Sänger Domenico Modugno („Nel blu dipinto di blu“) wurde hier geboren und wir besuchen an diesem Nachmittag eine kleine Kunstausstellung, die sich mit dem Thema Meer und der Farbe Blau auseinandersetzt. Dei Küste rund um Polignano ist felsig,  voller Buchten und Grotten. Hier eine kleine Auswahl:
Cala Ponte, Grotta Santa Caterina, Grotta Chiari di Luna, Grotta delle Rondinelle, Cala Paura Grottone, Grotta Azzurra, Grotta Piana, Lama Monachile, Bastione Santo Stefano, Grotta Arcivescovado, Grotta Palazzese, Grotta Favale, Grotta S. Pietro e Paolo, Grotta Ardito, Colonna d’ Ercole, Grotta delle monache, Grotta San Gennaro, Grotta della Colonna, Scoglio dell’eremita, Portalga, Caverna dei Colombi, Grotta cappella di Cristo e Grotta di Sella.

 

Es gibt verschiedene Anbieter von Bootstouren entlang der Küste und auch Tauchen kann man hier besonders gut. Einer meiner Lieblingsstrände nahe Polignano -> Der Fels des Eremiten.

 

Tipp: Das ->Museo Pino Pascali ist eines der besten Museen Italiens für zeitgenössische Kunst. Es ist dem aus Bari stammenden Arte-Povera Künstler Pino Pascali gewidmet.

 

Der Fels des Eremiten
Der Fels des Eremiten

 

 

 


2. Tag: Adelfia


Altstadtgasse in Adelfia Montrone
Altstadtgasse in Adelfia Montrone

 

Heute mache erstmal ich einen Spaziergang durch Adelfia. Adelfia ist ein ganz ruhiger, hübscher Ort, in  dem Touristen wirklich noch eine Seltenheit sind. Adelfia hat ca. 17.000 Einwohner und besteht quasi aus zwei Gemeinden: Montrone und Canneto, die 1927 vereint wurden. Adelfia bedeutet soviel wie Brüderlichkeit. Natürlich sind die Leute aus Montrone aber überzeugt, dass Montrone die eigentliche Stadt ausmacht und umgekehrt denken die Leute aus Canneto das gleiche. Noch heute gibt es deutliche Unterschiede in der Bevölkerung im Bezug auf Traditionen und Dialekt.

 

 

Nachdem ich lange geschlafen und in aller Ruhe gefrühstückt habe, ist es fast 13.00 uhr das heißt Siesta: alle Geschäfte sind bis 17.00 uhr geschlossen. Erst danach belebt sich die Stadt wieder.

 

Corso Umberto Adelfia Montrone
Corso Umberto Adelfia Montrone

Wenn ihr in der Mittagshitze durch Adelfia wandert, findet ihr leider nur in Canneto eine Eisdiele, wo ihr im Schatten sitzend Cafe oder Eis genießen könnt: die Bar Victoria vor dem Altstadttor von Canneto.

 

Centro storico Adelfia Canneto
Centro storico Adelfia Canneto

Ich beobachte, wie zwei Wochen vor dem Patronatsfest zu Ehren von San Trifone bereits mit den Vorbereitungen für das Fest von San Trifone begonnen wird. San Trifone war ein christlicher Märtyrer, der im 3. Jahrhundert lebte und die Gabe gehabt haben soll, Krankheiten zu heilen. Bereits im Alter von 17.Jahren wurde er gefoltert und geköpft, weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte. In Adelfia sieht man seine Figur oft mit einer Lanze bewaffnet, auf die eine Heuschrecke aufgespießt ist, da er eine Heuschreckenplage verhindert haben soll. Das Fest für den Schutzheiligen von Adelfia ist weit über die Grenzen Apuliens bekannt und zwar vor allem aufgrund seiner spektakulären Feuerwerke. Es gibt Verkaufsstände, Live-Bands, Lichterbögen, Tages- und Nachtfeuerwerke. Das Fest wird auch Königin der Patronatsfeste von Apulien genannt.

 

 


Sehenswert in Adelfia

Chiesa Madre San Nicola in Montrone
Chiesa Madre San Nicola in Montrone
Palazzo Marchesale di Montrone
Palazzo Marchesale di Montrone

Palazzo Marchesale di Montrone:

 

 

1396 vom Feudalherrn Niccolò Dottula erbaut, 1519 vom neapolitanischen Patrizier Giambattista Galeoti erweitert und mit Fresken der neapolitanischen Schule verziert, 1790 vom Marquis von Montrone Luigi Bianchi Dottula in seiner heutigen Struktur fertiggestellt. Der Palazzo ist bis heute im Privatbesitz. Demnächst soll ein Teil aber als Museum öffentlich zugänglich werden.

Fontana dell´emigrante AD 9.11.1984
Fontana dell´emigrante

Fontana dell´emigrante AD 9.11.1984

 

"Der Springbrunnen ist ein Symbol für die Opfer, die diejenigen bringen mussten, die ihr Land verließen und gleichzeitig ein Symbol für die Brüderschaft unter allen Emigranten."

 

In der Nähe Adelfias steht eine der schönsten verlassenen Masserien der ganzen Region, die ->Masseria Don Cataldo.

 

Außerdem empfehle ich die die Facebook-Seite von Nicola Machia ->AdelfiaCannetoMontrone  , die mit vielen historischen Fotos wie ein Stadtarchiv von Adelfia ist und seine Youtube-Seite mit Impressionen aus Adelfia, der Masseria Don Cataldo, Liedern ect.

 

Feste in Adelfia

Fest der Madonna della Stella 
Fest des Heiligen Vittorianos (Patronatsfest des Bezirks Canneto - es findet am letzten Sonntag im Juli statt).

San Vittorianicchio (es findet am Sonntag nach dem von S. Vittoriano statt).
Tag des Emigranten (Ende August) zur Erinnerung an die Emigration, die die Gemeinde Adelfia geprägt hat.
Fest der Madonna der Barmherzigkeit (findet am ersten Sonntag im September statt).

Traubenfest (Mitte September)

Festa di San Trifone ( 1.11-11.11) Patronatsfest von Adelfia

 

Festa di San Trifone

3. Tag: Trani

Trani, Fischerhafen
Trani, Fischerhafen

 

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug nach Trani. Trani hat einen großen Fischerhafen und an der Seepromenade reihen sich viel Cafes, Restaurants und Cocktailbars. Ich möchte unbedingt die Kathedrale San Nicola Pellegrino sehen, von der jemand behauptet hat, es sei die erhabenste Kathedrale des Mittelalters. Ich bin zwar kein ausgesprochener Kirchenliebhaber, aber von der eher schlichten, romanischen Kathedrale San Nicola Pellegrino bin ich wirklich beeindruckt. Sie steht direkt am Meer und wirkt im Gegensatz zu überladenen Barockkirchen so leicht als würde sie gleich davonwehen. Das reich verzierte Portal aus Tuffstein macht einen orientalischen Eindruck, vielleicht weil 100 Jahre vor dem Bau der Kirche Apulien teilweise in der Hand der Sarazenen ( Araber ) war.  Nur mal nebenbei bemerkt: Die Kathedrale ist fast 1000 Jahre alt (erbaut von 1056-1186), also älter als die Stadt Berlin (gegründet 1237) und der Kölner Dom (Baubeginn 1248).

 

Noch ein paar Impressionen aus Trani:

 


 

In Bisceglie gehen wir dann sehr lecker essen. Vorspeise: ein Salat aus Mandeln, Mozarella, Möhren, Rucola, Gamberi und grünem Salat. 2. Gang: Tartare di Tonno (roher Thunfisch, ich glaube mit Olivenöl, Orangensaft, Pfeffer, Salz und Fenchel angemacht) Hauptgang: ein Muschelgericht, dessen Namen ich leider vergessen habe. Buonissimo! Jetzt weiß ich mal wieder, warum ich in Deutschland nie so richtig Appetit habe.

 


4.Tag: Conversano und ab an den Strand


 

Über die Landstraße von Adelfia nach Conversano trau ich erstmal meinen Augen nicht. Da stehen halb nackte Frauen tänzelnd am Straßenrand. "Ich dachte Prostitution ist verboten in Italien?" frage ich nach. "Ja, aber es wird toleriert. " ist die Antwort.

 

In Conversano trinken wir dann einen Caffè und sehen uns eine altes Kloster an. Kontrastprogramm.



 

Am letzten Tag zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite: keine Wolke, kein Wind. Und kein Mensch am Strand außer einem Angler, der nach Pulpo fischt. Kleine Fische springen immer wieder aus dem Wasser. Bestimmt vor Freude, dass sie hier in dieser wunderschönen Bucht sein dürfen. Wenn man mit dem Boot rausfährt, kann man hier manchmal sogar Delphine sehen, erzählt mir mein Gastgeber. Das will ich dann nächstes mal machen. Jetzt springe auch noch ein paarmal ins Wasser und tanke Sonne, bevor es zurück zum Flughafen geht.