Die unheimliche Schöheit christlicher Bilderwelten

 

Auf den ersten Blick erzeugen sie bei manchem eher Grauen als Gefallen, aber sie verbildlichen die großen Menschheitsthemen: Leid, Trauer, Trost, Liebe und Erlösung. Die Ausstellung "Unvergleichbar" im Bodemuseum Berlin stellt afrikanische und christliche Kunst gegenüber und eröffnet damit einen ganz neuen Blick auf beide Bildtraditionen und Kulturen.

 


Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

"Bist du jetzt gläubig geworden?" fragen mich meine Freunde in letzter Zeit irritiert, weil ich angefangen habe, das Innere von Kirchen und kleine Kapellen zu fotografieren. Ich sage dann: "Mich interssiert die Auseinandersetzung mit Trauer, Trost und Leid." Denn seit ich in Apulien an fast jeder Häuserecke Madonnen entdeckt habe, ist mein Interesse für christliche Bilder und Skulpturen geweckt worden.

 

Tiefe Frömmigkeit ist vielen von uns fremd und bei der katholischen Kirche denken einige eher an Ablasshandel, Kreuzzüge oder düstere Rituale aus dem Mittelalter als an Kunst. Das ist leider ein Aspekt, der uns die Sicht auf die Schönheit christlicher Kunst verstellt. Ich habe katholische Kirchen lange gemieden, weil viele der Bilder in Kirchen mich eingeschüchtert haben und war umso erstaunter, als ich nach einem Besuch des Kolumba Museums (Kunstmuseum des Erzbistums Köln) begeistert feststellte: das ist das beste Museum, in dem ich je war,  weil es sich auf Kunst konzentriert, die die fundamentalen Aspekte des Menschseins thematisiert.

 

Ein Schritt der Annäherung an christliche (katholische) Kunst, die wir als aufgeklärte Menschen oft als Vergötterung von Leiden abtun, wäre vielleicht sie aus dem gewohnten Zusammenhang zu lösen und in einen anderen zu stellen. Das tut die Ausstellung im Bodemuseum, die einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel ermöglicht: Wie wäre es zum Beispiel christliche Darstellungen nicht nur eindimensional als Figuren des Leidens sondern, wie afrikanische Skulpturen, als magische Kraftfiguren zu betrachten?

 

Da ich leider erst im Februar Zeit finde, mehr über dieses Thema zu schreiben und nicht weiß, wielang die Ausstellung zu sehen ist, möchte ich nicht versäumen, jetzt darauf hinzuweisen.

 

 

Unvergleichlich - Kunst aus Afrika


Mangaaka, Kongo, Yombe, 19. Jh, Holz, Eisen, Porzellan, Farbpigmente, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, © SMB, Ethnologisches Museum, Claudia Obrocki
Mangaaka, Kongo, Yombe, 19. Jh, Holz, Eisen, Porzellan, Farbpigmente, Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum, © SMB, Ethnologisches Museum, Claudia Obrocki
Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum, Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Unvergleichlich: Kunst aus Afrika im Bode-Museum, Ausstellungsansicht, © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Maria mit dem Schutzmantel, Michel Erhart, ca. 1480, Lindenholz mit ursprünglicher Fassung, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, © SMB, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Antje Voigt
Maria mit dem Schutzmantel, Michel Erhart, ca. 1480, Lindenholz mit ursprünglicher Fassung, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, © SMB, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, Antje Voigt
Schmerzensmann, Spanien 16. Jhd., Terrakotta mit alter Fassung, Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung des Museums
Schmerzensmann, Spanien 16. Jhd., Terrakotta mit alter Fassung, Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung des Museums

Die Ausstellung "Unvergleichlich - Kunst aus Afrika" stellt afrikanische Kunst christlichen Bilderwelten gegenüber. Dabei geht es um die „großen Menschheitsthemen“ – Schutz, Tod, Geschlecht, Macht. Und ich würde hinzufügen: Trost, Mitleid, Trauer, Leidenschaft.

Bevor ich darüber ausführlicher schreibe - ein paar Gedanken, die für einen Perspektivwechsel hilfreich sein könnten.

 

"Die Geschichte der Schönheit ist eine des Idealismus und die Geschichte des Idealismus ist eine des Trostes." ( Susan Sonntag)

 

"Das Schöne ist das gerade noch erträglich gemachte Unerträgliche." (Byun Chul Han)

 

"Jede Zeit hat die Rennaissance der Antike, die sie verdient." (Aby Warburg)

 

Der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg sieht Bilder als Speicher der Erinnerung an die Leidenschaften der Menschen sowie als Speicher des kulturellen Zustands einer Gesellschaft. Unter diesen Aspekten werde ich dann hoffentlich im Februar mehr schreiben können (und die Brücke zurück nach Apulien zu schlagen), denn da finden sich Darstellungen von Jesus, Maria und anderen christlicher Heiliger oder Schutzpatronen weniger in Museen als in Kirchen und im öffentlichen Raum.

 

 

Jesusdarstellung in einer Kirche in Vieste, Apulien
Jesusdarstellung in einer Kirche in Vieste, Apulien

Museumsinfo

"Unvergleichlich - Kunst aus Afrika" ( 27.10.2017 bis auf weiteres)

Bode-Museum, Am Kupfergraben, Eingang über die Monbijoubrücke
Montags geschlossen, Dienstag bis Sonntag: 10.00-18.00 uhr, Do: 10.00-20.00 uhr.

Eintritt: 12, 00 Euro, ermäßigt: 6,00 Euro, Hartz IV Empfänger mit Berlin-Pass: frei

 

Tipp: Die meisten direkten Gegenüberstellungen von afrikanischer und christlicher Kunst befinden sich im Untergeschoss.

 

Mehr Infos und Bilder zur Asstellung auf dem -> Museumsblog


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